Ironman in Regensburg

Eigentlich wollte ich ja eine komplette Sammlung an Bildern vom Ironman in Regensburg liefern, aber da ich momentan zeitlich nicht dazu komme, aus den fast 1.000 gemachten Fotos die schönsten herauszusuchen und zu bearbeiten, gibt’s nun vorab erst einmal einen kleinen Text.

Henrik und die Hawaii-Quali

Wie ich bereits im letzten Beitrag geschrieben habe, war ich in Regensburg, um den Applejack anzufeuern, der das Ziel hatte, sich für Hawaii zu qualifizieren. Wer den Blog von Anfang an verfolgt hat, der wird wissen, dass es der Kerl ist, dem ich die absurde Idee mit dem Mitmachen beim Ironman zu verdanken habe. Und gleich vorne weg: er hat es tatsächlich geschafft, in einer Zeit von 9:25:58h zu finishen und sich damit – wenn auch mit etwas Glück – als Zehnter der AK30 einen von 6 Hawaii-Slots zu sichern. Außerdem hat er mir gezeigt, was alleine durch purem Willen möglich ist, jenen Willen, den ich in Frankfurt vermissen habe lassen. Das werde ich dann nochmal ausführlicher in einem eigenen Beitrag erörtern…

Für Zuschauer ist Regensburg besser als Frankfurt

Aber nun ein paar Worte zum Ironman selbst: es war ja die Premieren-Veranstaltung und ich muss sagen, ich war absolut positiv überrascht von dem Event. Sieht man mal von den Parkplatzproblemen vor dem Schwimmstart ab, was einigen Athleten den ohnehin hohen Adrenalinpegel in ungeahnte Höhen getrieben haben dürfte, war das -aus Zuschauersicht gesehen- eine super Veranstaltung, die Frankfurt um Längen schlägt. Das größte Problem in Frankfurt ist, dass man vom Langener Waldsee erst einmal eine ganze Weile lang nicht wegkommt, zumindest nicht ohne Fahrrad oder einen langen Fußweg in Kauf zu nehmen. Schafft man es dann an die Radstrecke, sind die Profis meist schon durch; anders in Regensburg. Da der Rundkurs direkt wieder an der Wechselzone 1 vorbeiführt, kann man einfach am See bleiben, in aller Ruhe einmal durchschnaufen, anschließend die letzten Bejubeln, die das Wasser verlassen (unglaubliche Gänsehautstimmung!) und dann direkt auf die Radstrecke wechseln, wo die Profis erstmalig vorbeikommen und natürlich auch die Altersklasseathleten. Danach geht man gemütlich zum Auto, fährt in die Innenstadt von Regensburg, parkt kostenlos wenige Meter neben der Laufstrecke und kann dann sogar noch die Profis sehen, wenn sie auf die Laufstrecke wechseln. Wer jemand begleitet, der wird sich darüber freuen, seinen Helden gleich mehrfach sehen zu können: am Schwimmausstieg, auf den ersten 100m beim Radfahren, am Ende der ersten Radrunde, am Ende der zweiten Radrunde (da sogar zweimal, wenn man sich beeilt), beim Verlassen der Wechselzone und auch mehrmals an der Laufstrecke, bis zu drei Mal pro Runde sind möglich, wenn man sich beeilt und die Wege kennt.

Zeitstrafen und DNFs

Was mir aufgefallen ist, dass für mein Empfinden schon sehr früh einige aus den Wettkämpfen ausgestiegen sind; manche ohne irgendeinen erkennbaren Grund; zumindest wirkten sie ganz fit und vergnügt. Ich weiß nicht, ob das normal ist, es kam mir aber sehr komisch vor. In der Tat haben von 1.851 Athleten und Athletinnen stolze 151 das Ziel nicht erreicht. Das ist zwar eine leicht bessere Quote als in vor vier Wochen in Frankfurt (evtl. durch das eine Stunde länger offene Ziel) aber immer noch deutlich mehr als die DNF-Quoten der letzten Jahre. Neun Männer wurden disqualifiziert, darunter sogar ein Profi. Mein Eindruck war sowieso, dass die Kampfrichter auf der Radstrecke hart durchgegriffen haben, denn ich habe unglaublich viele markierte Startnummern auf der Laufstrecke gesehen; gefühlt war da mehr als jeder Dritte vom Kampfrichter angezählt worden, entweder mit einem „P“ oder mit einem Strich über die Startnummer.

Weniger Absperrungen

Gefühlt waren viel weniger Absperrungen vorhanden, als in Frankfurt. Für die Zuschauer ist das natürlich toll, weil man dichter an die Athleten heran kommt, für die Sicherheit der Athleten ist das aber manchmal nicht ganz so optimal. Gerade nach dem Schwimmen, wenn es auf die Radstrecke geht und da natürlich viele Leute gleichzeitig aufsteigen, geht’s ohnehin sehr eng zu, wenn dann noch durch die Zuschauer ein Trichter gebildet wird, kann es schon mal brenzlich werden. Ich fand das da jedenfalls schon sehr krass, weil eben so viele Radler gleichzeitig vorbeikamen.

So, das war’s erst einmal… weiteres folgt…

Mitfiebern in Regensburg

Die letzte Woche habe ich erstmals seit sehr langer Zeit wieder einmal komplett ohne sportliche Betätigung verbracht. Das heißt, ich bin weder gelaufen, noch geschwommen, noch Rad gefahren noch habe ich sonst irgendetwas mit Sport vergleichbares gemacht. Aber nicht, weil ich keine Lust gehabt hätte, sondern, weil ich erstens nicht gedurft und zweitens wahrscheinlich auch gar nicht gekonnt hätte. Der Grund dafür: ich war krank, ein Magen-Darm-Infekt hatte mir so zugesetzt, dass an Sport treiben nicht zu denken war. Und auch diese Woche habe ich noch mit den Nachwirkungen zu kämpfen, ich fühle mich immer noch schlapp, hoffe aber, dass ich in den nächsten Tagen wieder einmal laufen und/oder mit dem Rad zur Arbeit fahren kann.

Aber die paar Tage Auszeit sind ja gar nicht schlimm, denn meinen Saisonhöhepunkt habe ich bereits hinter mir und von daher kann ich es locker wieder angehen lassen, so voll und ganz ohne irgendwelchen Druck; auch mal was schönes.

Einer hat allerdings das Ganze, was ich jetzt bereits hinter mir habe, noch vor sich: Kollege Appeljack. Er wird nämlich am Sonntag beim Ironman in Regensburg an den Start gehen und um einen der fünf Hawaii-Slots kämpfen, die es in der M30 dort gibt. Ja, und da werde ich natürlich mit dabei sein und von Anfang bis zum Ende mitfiebern. Wobei, genau genommen fiebere ich jetzt schon ganz doll mit.

Eigentlich bin ich mir sicher, dass er fit genug ist, sein Zeitziel auch zu erreichen, aber ob das dann auch für die WM-Qualifikation reicht, das weiß man ja nie vorher. Die Wetterbedingungen werden jedenfalls schon einmal nicht so, wie er sie sich gewünscht hatte: er wollte eigentlich strahlenden Sonnenschein, extrem heiße Temperaturen, dazu hohe Luftfeuchtigkeit und Neoprenverbot (ja auch solche Leute gibt es). Also quasi so, wie ich es hasse und wie es in Frankfurt eigentlich prophezeit war…

Aber eigentlich ist das ja alles egal, denn ob kalt oder warm, heiter oder wolkig, stürmisch oder windstill, Neoprenverbot oder nicht, es kann am Sonntag für ihn nur eines heißen:

  • von Anfang an Vollgas! :mrgreen:

Und dabei werde ich ihn jedenfalls kräftig unterstützen und an der Strecke ordentlich nach vorne schreien. Ich freu mich drauf!

Bilder vom Ironman in Frankfurt (2010)

Um die Artikel genauso zu halten, wie bei meiner Teilnahme vor zwei Jahren, hier noch der Beitrag, wo man die Bilder vom Event finden kann.

Anders als damals habe ich sie allerdings nicht bei mir auf der privaten Website hochgeladen, sondern als Fotoalbum auf meiner IRONSEO-Fanpage bei Facebook!

Keine Angst, auch wenn ihr nicht bei Facebook registriert seid, ihr könnt euch die Bilder trotzdem anschauen. Bei denjenigen, die einen Account haben, würde es mich freuen, wenn sie Fan von meiner Page werden (einfach den „Gefällt mir“-Button auf der Fanpage anklicken). Ihr könnt dann nämlich alle meine Bilder von der sportlichen Entwicklung seit 2007 einsehen und auch von meiner Couchpotato-Zeit davor gibt es zahlreiche schockierende Fotos. Und natürlich könnt ihr auch jede Menge Kommentare hinterlassen, würde mich sogar freuen… 😉

Danke übrigens an die diversen Fotografen für die tollen Bilder!

Hier geht’s zu den Bildern vom Ironman 2010 in Frankfurt.

IMG10 – Laufen – 5:43h

Im Bericht über meinen Radsplit habe ich ja bereits geschrieben, dass ich mich nicht richtig auf dem Rad verpflegt habe, insgesamt nur ein bisschen mehr als ein Drittel von dem, was ich eigentlich hätte zu mir nehmen sollen. Klar, dass ich dann schon leer in Frankfurt ankam und eigentlich hatte ich auch wirklich keine Lust mehr auf den Marathon. Mir war nämlich klar, dass ich diesen nicht wirklich würde durchlaufen können.

Kilometer 1 bis 17 – ca. 1:53h

Der einzige Grund, warum ich überhaupt auf die Laufstrecke bin, war, dass meine „Fans“ noch nicht in Frankfurt waren. Die hatten nämlich allesamt in Friedberg auf der zweiten Radrunde auf mich gewartet und da ich nicht genau wusste, wo sie wann sein werden, bin ich los und wollte zumindest so weit laufen, bis ich sie an der Strecke treffe. Die ersten Meter bin natürlich viel zu schnell los gelaufen, aber ich wurde schnell eingebremst, denn das erste Dixi-Häuschen war mir. Als ich nach ein paar Minuten aus dem gefühlt 50 Grad heißen Örtchen herauskam, hatte ich dann mein erstes und einziges Highlight: ich war wenigstens so früh auf der Laufstrecke, dass ich die Profis noch sehen konnte; zwar nicht den späteren Sieger Andreas Raelert, der war nämlich schon durch, aber zumindest Timo Bracht und Chris „Macca“ McCormack durfte ich noch auf ihrer letzten Laufrunde bewundern. Und kurz darauf überholten mich dann auch die führenden der Frauen, die auf ihrer vorletzten Runde waren. So viel zum positiven…

Wo ist meine Frau?

Der Rest war eher negativ: ich merkte, wie wenig Energie ich noch hatte, konnte mich aber trotzdem nicht überwinden, irgendetwas in mich reinzustopfen. Aber noch trieb mich der Gedanke „du kannst doch nicht ohne ein einziges Bändchen am Arm schon spazieren gehen“ zum Laufen an. Wobei das auch schon nicht mehr wirklich Laufen war, ein 6:30er Schnitt auf der ersten Runde und der Puls für den niedrigen Schnitt schon viel zu hoch. Da merkte man auch schon an den Werten, dass das nicht mehr ganz so in Ordnung war. Nach der ersten Runde traf ich dann meinen Bruder und ein paar Freunde, allerdings fehlte Katharina. Ja, ich war regelrecht entsetzt, hatte ich mich doch so gefreut, meine Frau zu sehen und dann war sie auch nicht da… „Die ist drüben“ rief mir mein Bruder zu und ich sagte nur: „Scheiße, nochmal 6km bis ich sie sehe…“.

Kilometer 17 bis 42,2 – ca. 3:50h

Anfeuerung auf der Laufrunde

Ja, und so bin ich nochmal weiter gelaufen, bis ich mir dann auf der Sachsenhausener Mainufer-Seite ein Bussi und einen Drücker abholen konnte… danach ging allerdings nicht mehr viel, bei Kilometer 17 war es dann so weit, ich bin zum ersten Mal gegangen… und bin auch nicht mehr losgelaufen…

Mit anderen Worten: ich bin über 25km am Mainufer spaziert, auch an den Stellen, wo viele Leute standen und die mich allesamt namentlich anriefen und meinten: „komm, Daniel, das geht schon, du siehst noch gut aus, lauf wieder an.“ – schon unglaublich, was einem da alles durch den Kopf geht… ach ja, und Spaß macht das nicht wirklich… und langweilig ist es auch… und mit großem Sport hat das dann auch nichts mehr zu tun… meiner Meinung nach zumindest…

Im Ziel nach 12:49h

IRONMAN Finish

Aber immerhin: ich konnte mich dazu überwinden, es zu Ende zu bringen, auch wenn schon relativ früh klar war, dass ich das Ziel, weswegen ich eigentlich angetreten bin, nicht wirklich erreichen kann.

IMG10 – Rad fahren – 5:27h

Nachdem ich gestern bereits ein paar Zeilen zum Schwimmen geschrieben habe, folgt nun der Bike-Split.

Wechselzone 1

Daniel in Wechselzone 1

Relativ entspannt, wenn auch mit einiger Verspätung ging es den steilen Anstieg durch den Sand von dem See in die Wechselzone. Dort musste ich als erstes an einem Dixi-Klo halten und mich ein wenig erleichtern. Andere machen das ja bereits während dem Schwimmen, ich hingegen war anständig und hab den dafür vorgesehenen Bereich genutzt. Das hat mich natürlich eine Minute gekostet und dann ging es weiter zu meinem Rad, wo ich dann erst einmal versuchte, den Sand von meinen Füßen abzubekommen. Doch das gelang mir nicht wirklich und so zog ich meine Kompressionssocken halt über meine sandigen Füße… Startnummer an, Brille auf, Helm auf, Rad geschnappt und Richtung Ausgang.

Die Wechselzeit betrug 7:09min, mit 7min hatte ich auch kalkuliert… nun ging es auf das Rad; im ursprünglich mal angedachten Plan für 10.30h standen 5:20h, damals war die Strecke auch noch 180km lang. Durch die Umleitung und die daraus resultieren 5km Umweg würde es etwas länger dauern, das war mich schon klar.

Vom Waldsee nach Frankfurt

Bevor man auf die zwei Rad-Runden geht, hat man erst noch eine rund 13km lange Fahrt vom Waldsee in Langen nach Frankfurt vor sich. Diese Strecke ist echt ein Traum: eine zweispurige Bundesstraße, flach und super Asphalt; hier rollt es fast von alleine. Da das absolut meine Abschnitte sind, habe ich gleich auch richtig Gas gegeben und bin mit einem Schnitt knapp unter 40km/h nach Frankfurt gerast.

1.Radrunde

Daniel am Heartbreak Hill (1.Runde)

Es machte richtig Spaß: ich flog an denen vorbei, die schneller geschwommen sind und wurde von keinem anderen überholt, zumindest bis zum ersten Anstieg in Bergen-Enkheim. Hier habe ich das erste Mal etwas langsamer gemacht; ich hab’s halt nicht so mit Höhenmetern. Nach der ersten Verpflegungsstation gibt’s wieder ein Abschnitt für mich: Vollgas nach Maintal-Hochstadt zur nächsten Attraktion, das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt. Bei meinen Trainingsfahrten habe ich den Abschnitt immer gemieden, im Wettkampf fiel mir dann wieder ein, warum. Ich wurde richtig durchgeschüttelt und auch meinem Finger, der ja beim Schwimmen einen Tritt abbekommen hat, gefiel das weniger, also bin ich mehr oder wenig einhändig durchgefahren und war froh als der halbe Kilometer herum war.

Als ich dann auf der Straße nach Wachenbuchen wieder Tempo machen wollte, meldete sich das erste Mal mein Knie. Das hatte ja im Training schon das ein oder andere Mal gemeckert, war aber zum Schluss wieder – zumindest dachte ich das – in Ordnung. Heute meckerte es also schon bei Kilometer 30. „Na super“, dachte ich mir, „das fängt ja früh an“. Aber es tat nicht so weh, dass ich nicht weiter meinen Speed fahren konnte. Und so spulte ich Kilometer für Kilometer ab.

In Friedberg jubelten mir dann das erste mal meine „Fans“ zu, also die Family und etliche Freunde. Anders als letztes Mal machte ich allerdings nicht langsam, sondern sauste vorbei, ich wollte ja schnell sein. Auf der Umleitung in Bad Vilbel wurden die Schmerzen im Knie etwas stärker und ich ahnte schon, dass ich wohl nicht bis zum Ende voll durchfahren könne. Am Heartbreak Hill klagte ich dann meiner Frau, Applejack und seiner Freundin im Vorbeifahren mein Leid, dann war der Berg auch schon fast wieder vorbei und es ging weiter nach Frankfurt rein.

Die ersten 100km der Ironman-Strecke bin ich in einem Schnitt von 35,6km/h gefahren. Der Puls war dabei im grünen Bereich, also so hoch, wie bei meiner letzten Teilnahme. Allerdings war ich damals deutlich langsamer unterwegs.

2.Radrunde

Daniel in Friedberg (Burgmeile, 2.Runde)

Am Anstieg im Bergen-Enkheim machte sich dann mein Knie wieder mehr bemerkbar und nach der zweiten Kopfsteinplaster-Passage war es dann ganz vorbei. Ich hatte richtig Schmerzen; allerdings zu meinem Glück nicht generell beim Kurbeln, sondern nur bei bestimmten Bedingungen: niedrige Trittfrequenzen gingen, hohe hingegen nicht, auch durfte ich nicht übermäßig Druck auf die Pedale geben und auch beim aus-dem-Sattel-gehen musste ich aufpassen, dass ich nicht zu viel Druck mache. Dann ließ es sich wenigstens aushalten, allerdings drückte das natürlich meinen Schnitt nach unten, ich konnte nicht mehr so schnell, wie ich gerne wollte, kam aber wenigstens noch einigermaßen vorwärts; mit einem Puls der eher dem einer lockeren Trainingsfahrt entsprach, als einem Wettkampfpuls.

Ein weiteres Problem kam hinzu: gegen Mitte der zweiten Radrunde merkte ich dann, wie mein „Tank“ immer leerer wurde. Das lag daran, dass ich auf dem Rad so gut wie keine Kohlenhydrate nachgefüllt habe. Auf dem ersten Abschnitt nach Frankfurt hinein hat noch alles wunderbar geklappt, nach dem ersten Schluck vom Iso-Drink hatte mein Magen allerdings etwas gegen weitere Energiezufuhr; mir wurde übel. Hier habe ich einen entscheidenden Fehler gemacht: statt einfach weiter meine Riegel zu essen und mein Gel zu lutschen, habe ich die Energieaufnahme komplett eingestellt bzw. nur dann wieder was nachgefüllt, wenn ich den Eindruck hatte, mein Magen hat wieder Lust darauf. Dass sich das spätestens auf der Marathonstrecke rächen wird, war mir zwar klar, aber irgendwie dachte ich mir nur: „dann ist das eben so, rette dir wenigstens die gute Radzeit und fahr jetzt weiter“. Das war natürlich fatal, im Nachhinein betrachtet, hätte ich mir die Riegel reinschieben müssen und selbst, wenn ich mich dann übergeben hätte, könnte ich mir jetzt wenigstens nicht vorwerfen, dass ich nicht alles versucht habe. Nur so, wie ich es gemacht habe, konnte das ja nichts mehr werden mit dem Marathon…

Nachdem ich den Heartbreak Hill das zweite Mal passiert hatte, ließ ich es nach Frankfurt rein nur noch rollen und trat kaum noch in die Pedale. Der Akku war fast leer und ich hatte absolut keine Lust mehr noch einen Marathon zu laufen. Eigentlich wollte ich da auch schon aufgeben. An ein Zeitziel habe ich da gar nicht mehr gedacht, dabei hätte für eine Sub11 doch ein 3:54er Marathon gereicht, aber ich war einfach leer.

Warum ich dennoch weiter gemacht habe, gibt’s dann im nächsten Abschnitt… 😉

Trotz der Probleme auf der zweiten Runde habe ich die 85km noch mit einem Schnitt von 31,8km/h absolvieren können. Insgesamt habe ich 5:27.40 gebraucht und damit bin ich – bedenkt man die 5km Umweg – ziemlich genau in meinem Zeitplan gewesen.

Erkenntnisse

Wenigstens beim Rad fahren gibt es ein paar positive Erkenntnisse:

  • Ich war deutlich schneller unterwegs als letztes Mal.
  • Hätte mein Knie gehalten und ich mich richtig verpflegt, dann wäre -da bin ich mir sicher- einen Schnitt um die 35km/h herausgekommen.
  • Merksatz für’s nächste Mal: Du musst dich verpflegen, egal ob dein Körper das in dem Moment will oder nicht.

Der Laufbericht folgt dann in Kürze. 😉

IMG10 – Schwimmen – 1:28h

Nachdem ich ja schon geschrieben habe, warum ich meiner Meinung nach nicht so abgeschnitten habe, wie ich gerne wollte, hier nun die einzelnen Berichte von meinem Wettkampf.

Neoprenverbot

Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein guter Schwimmer bin und deshalb, wenn denn eine halbwegs vernünftige Schwimmzeit herauskommen soll, auf den Neoprenanzug angewiesen bin. Denn der sorgt dafür, dass das, was sich ab meinem Bauch abwärts befindet, nicht schräg im Wasser hängt, sondern durch den Auftrieb schön an der Wasseroberfläche bleibt. Damit spar ich nicht nur unglaublich viel Kraft, dadurch komme ich sogar anständig vorwärts. Dumm ist nur, dass Neoprenanzüge ab einer Wassertemperatur von 24,5 Grad bei einem Ironman verboten sind und der Langener Waldsee am Wettkampftag knapp 26 Grad hatte. Das Tragen von Neoprenanzüge war also verboten; meine angepeilte Schwimmzeit von 1:10h konnte ich also gleich knicken.

Daniel Rüd vor dem Start

Vor zwei Jahren lag die Neo-Verbots-Grenze noch ein Grad niedriger und auch damals wurde erst kurz vor dem Wettkampf entschieden, ob Neopren erlaubt ist oder nicht. Damals habe ich vorher sogar noch gesagt: „Mir doch egal, ich schaffe die Strecke auch ohne Neo“. Da wusste ich aber noch nicht, was auf den ersten Metern nach dem Start so abgeht. Dieses Mal war ich mir nicht so sicher. Ich wollte mich keinesfalls mit anderen um jeden Zentimeter des Waldsees prügeln; außerdem hatte ich mir ja zwei Wochen vorher meinen Finger verstaucht, was noch nicht ganz ausgeheilt war und da wollte ich keinen Tritt dagegen bekommen. Also entschloss ich mich, mir ein Plätzchen zu suchen, wo nur wenige andere Athleten waren. Das habe ich auch ziemlich weit rechts, rund 30m hinter der Startlinie gefunden.

1.Runde

IRONMAN Startschuss

Dann fiel der Startschuss, es ging also los. Meine Taktik war erst einmal locker losschwimmen, denn so eine lange Strecke ohne jegliche Hilfsmittel bin ich schon mehr als zwei Jahre nicht mehr geschwommen, von daher wollte ich keinesfalls riskieren, dass mir die Puste ausgeht. Und tatsächlich sollte es sich lohnen, dass ich mir ein freies Plätzchen gesucht hatte, denn die ersten 100 bis 200m konnte ich befreit schwimmen. Was mich aber völlig überraschte, war das Geschaukel. Ich kam mir vor als würde ich im Meer schwimmen, so ein Wellengang herrschte. Das hab ich so noch nie wahrgenommen; ich weiß also nicht, ob einem das im Neoprenanzug weniger auffällt oder ob das immer so ist, wenn man ein Teil der Konkurrenz vorne weg schwimmen lässt. Jedenfalls ging mir das Geschaukel erstens nach kurzer Zeit auf die Nerven und zweitens konnte ich auch darin nicht so frei wie sonst nach vorne schauen, um mich zu orientieren. Es war mehr oder weniger ein Blindflug. Kein Vordermann, kein Nebenmann, und keine freie Sicht nach vorne. Das sollte sich allerdings schnell ändern. Denn plötzlich tauchten Beine vor mir und neben mir auf. Das breit gestartete Feld zog sich nun zusammen, es wurde eng und es gab kurzzeitig kein Vorwärtskommen; quasi Stop-and-Go. Ein wenig auf der Stelle schwimmen, dann wieder weiter, dann wieder auf der Stelle, dann wieder weiter…

Auf Abwegen

Dabei hat es mich dann erwischt, mir hat jemand gegen meine linke Hand getreten und natürlich auch genau den verstauchen Finger erwischt, der dann gleich wehtat. Um jeglichen weiteren Rangeleien aus dem Weg zu gehen, habe ich einen Fluchtweg gesucht und bin den direkten Weg nach außen geschwommen. Hat mich unzählige Extrameter gekostet, dafür hatte ich aber zumindest auf der rechten Seite niemanden mehr neben mir, und auch nach links ließ ich so viel Abstand, dass mich keiner mehr berühren konnte.

Tja… und genau auf der Außenbahn bin ich dann bis zum Ende der ersten Runde auch geblieben. Von der Ideallinie war ich also weit weg und dank der vielen überflüssigen Meter war ich auch schon sehr spät dran: rund 50min dauerte es nämlich, bis ich wieder mal kurz Boden unter den Füßen spürte.

2.Runde

Der Landgang beim Schwimmen

Auch auf der zweiten Runde habe ich es wie in der ersten Runde gehalten: der Finger hat sich zwar inzwischen beruhigt habe, dennoch bin ich weiterhin schön am Rand geschwommen, dieses Mal am linken Rand, da es ausschließlich rechts um die Bojen herum ging. Auch hier wieder etliche zusätzliche Meter und einige Zurufe von den Begleitbooten, deren Besatzung wohl meinte, ich hätte mich etwas verirrt. Dem war zwar nicht so, aber trotzdem nett von denen.

Zwischendurch hatte ich dann noch einen Krampf im rechten Fuß, der ein, zwei Minuten anhielt, aber da ich meine Beine ohnehin nicht gebrauche beim Schwimmen, hat das nicht sonderlich gestört.

Jedenfalls kam ich relativ entspannt nach 1:28h aus dem Wasser. Laut meiner GPS-Uhr, die seit dem neuesten Firmware-Update auch im Wasser einigermaßen funktioniert, bin ich 4,3km geschwommen. Das halte ich für ein bisschen zu viel, aber so 200m bis 300m mehr als nötig dürften es schon gewesen sein. Also etliche Minuten habe ich alleine dadurch verschenkt. Und im Gegensatz zum Wettkampf vor zwei Jahren war ich dieses Mal auch bei weitem nicht am Anschlag, sondern eher im lockeren Wohlfühltempo unterwegs gewesen.

Ein Wettkampf in dem man auf Bestzeitjagd ist, geht man wohl anders an.

Ein paar weitere Erkenntnisse

Ein paar Sachen kann man aber dennoch lernen:

  • Schwimmen ohne Neoprenanzug ist doch etwas ganz anderes
  • Es ist möglich, jeglichen Kämpfen aus dem Weg zu gehen, allerdings muss man dafür ein paar hundert Meter mehr schwimmen und nimmt somit eine schlechte Zeit in Kauf.
  • Das nächste Mal wieder nach vorne stellen; lieber selbst ein Hindernis sein, als unzählige Hindernisse vor sich zu haben.
  • Es muss ja nicht übertrieben Vollgas sein, aber im lockeren Tempo muss man auch nicht gerade im Wettkampf schwimmen.

Die anderen Berichte werden folgen… 😉

12:49h – Warum?

Bevor ich hier an dieser Stelle den Wettkampf in den nächsten Tagen mit hübschen Bildchen bis ins kleinste Detail schildere, möchte ich noch kurz den Grund, der meiner Meinung nach zu der -für mich enttäuschenden- Endzeit führte, kurz erläutern, denn in meinen letzten Posting hatte ich nur die Zeiten der einzelnen Disziplinen wiedergegeben, was zu Spekulationen führte, die in die völlig falsche Richtung gingen.

Physisch top – mental flop

Im Nachhinein betrachtet war ich körperlich fit, aufgrund des Neoprenverbots und der verlängerten Radstrecke, vielleicht nicht für eine Zeit unter 10:30, aber für eine Sub11 hätte meine körperliche Verfassung auf jeden Fall gereicht. Es lag also nicht am Training, nicht am Tapering und auch nicht, wie spekuliert wurde, am Wetter. Die äußeren Bedingungen waren auf dem Rad für mein Empfinden optimal und auch auf der Laufstrecke war es zwar schwül, aber bei weitem nicht so schlimm, wie vorher angekündigt. Das Material war perfekt und auch sonst gab es eigentlich keinen Grund, die Sub11 nicht zu schaffen.

… und dennoch bin ich fast zwei Stunden später ins Ziel gekommen.

Dafür gibt es eigentlich nur einen Grund: das was körperlich gepasst hat, hat mental gefehlt.

Warum ich das Ding so vergeigt habe und den Großteil des Marathon nicht gelaufen, sondern spaziert bin, das lag schlicht und einfach an meinem Kopf, der Wille, es wirklich konsequent durchzuziehen und der Glaube daran, dass ich es ja wirklich schaffen kann, beides hat dieses Mal gefehlt.

Stattdessen hat die Angst gesiegt. Das fing beim Schwimmen an, wo ich mich nicht, wie das letzte Mal, nach vorne gestellt habe, sondern schön nach hinten, aus Angst, einen Tritt abzubekommen und als es dann mal etwas enger wurde, habe ich sogleich die Flucht ganz nach außen gesucht und bin viele Meter zusätzlich geschwommen, nur damit ich ja keinen anderen Athleten berühre bzw. kein anderer mich. Das setzte sich fort, als mein Magen die Riegel und Gels nicht gefielen und ich aus Angst mich übergeben zu müssen, einfach die Verpflegung komplett eingestellt habe, statt das Zeug in mich reinzuwürgen und zu schauen, was passiert. Das „Nicht-Nachtanken“ musste sich ja irgendwann rächen… und dann, ja dann, dann bin ich spaziert… und bei einem 27km langen Spaziergang mit einigen Schwätzpausen kann keine gute Zeit mehr heraus kommen… und eine große sportliche Leistung ist das auch nicht mehr…

Aus der anfänglichen Freude, es wenigstens zu Ende gebracht zu haben, wurde Enttäuschung über die schlechte Zeit und nun habe ich einfach nur einen Hals auf mich, weil ich eben an entscheidenden Stellen nicht alles versucht habe…

Eines steht fest: das kann ich besser und beim nächsten Mal mache ich das auch besser… 😉

Fazit

Eigentlich hatte ich gestern an meinem freien Tag vor, einen kleinen Bericht zu schreiben, wie es mir bei meinem zweiten Start in Frankfurt so ergangen ist, doch das habe ich dann doch lieber sein gelassen. Der Grund dafür ist, dass ich den Text beim Korrektur lesen schon wieder komplett verworfen hätte. Will damit sagen, die Berichte wären unterschiedlich ausgefallen, je nachdem ob ich sie am Morgen, am Mittag oder am Abend geschrieben hätte. Am Morgen noch positiver, am Abend dann nur noch negativ…

Deswegen will ich mir noch ein paar Tage Zeit nehmen, um das alles einzuordnen und einen Bericht schreiben, den ich dann auch bedenkenlos veröffentlichen kann…

Bis dahin also nur mal die Fakten ohne jeglichen Kommentar:

  • Schwimmen (3,8km): 1:28:29h (~2:19 min/100m)
  • Wechselzone 1: 7:09min
  • Rad fahren (185km): 5:27:40h (~33,9km/h)
  • Wechselzone 2: 2:18min
  • Laufen (42,2km): 5:43:46h (~8:08min/km)
  • Gesamtzeit: 12:49:12h

Und hier noch ein Bildchen im Ziel:

Daniel Rüd - Im Ziel beim Ironman 2010

Noch knapp 44 Stunden…

… sind es noch bis zum Startschuss und die werden verdammt schnell vorübergehen, denn sie sind fast schon wieder komplett verplant: erst werde ich zu einem letzten Läufchen aufbrechen, danach was essen und im Anschluss nach Frankfurt fahren. Dort werde ich der Wettkampfbesprechung beiwohnen, anschließend meine Startunterlagen holen und dann wieder heimwärts fahren. Und auch da ist dann noch nicht Schluss, denn dann heißt es Beutelchen packen und ja nichts vergessen, um dann am Samstag direkt zum Waldsee zu fahren, die Sachen abzugeben und von da aus auf eine Hochzeitsfeier zu fahren… ach ja, und dann will ich ja auch noch sehen, wie Deutschland gegen Argentinien gewinnt…

Und ehe man groß nachdenken kann, ist dann auch schon der Sonntag da… der längste Tag des Jahres.

Eigentlich hätte ich ja gerne mal einen groben Zeitplan und ein paar Links herausgegeben, wo man das alles verfolgen kann, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das noch zu früh, denn es gibt noch zu viele Unbekannten:

  • Wird es ein Neoprenverbot geben?
    Falls ja, werde ich schon beim Schwimmen eine Viertelstunde länger unterwegs sein, das ausgegebene Zeitziel ist dann auf jeden Fall nicht mehr zu schaffen. Wobei ich derzeit schon am Überlegen bin, ohne Neo zu schwimmen, denn das Wasser war bereits vorgestern extrem warm (aktuell laut Veranstalter: 24,4 Grad, also nur 0,1 Grad unter dem maximal erlaubten). Die Entscheidung schwankt bei mir von Stunde zu Stunde… mal pro mal contra Neo…

    Update: das Thema ist nun wenigstens geklärt: NEOPRENVERBOT! Auch Speedsuits sind verboten sowie Kompressionsstrümpfe (auch die, die nur über die Waden gehen und nicht die Füße bedecken). Das heißt: ich schwimme in meinem Einteiler und werde dementsprechend länger unterwegs sein…
  • Gewitter am Vormittag?
    Auch das ist derzeit noch unsicher. Die Unwetterzentrale geht davon aus, dass von Samstag auf Sonntag eine Kaltfront durchzieht, in deren Vorfeld es zu schweren Gewittern kommen wird. Die Frage ist nur, wann wird die genau kommen und wann wird die durchgezogen sein. Derzeit ist das noch etwas unsicher, aber möglich wäre es, dass es dann vielleicht sogar noch morgens gewittert.
  • Wie heiß wird es wirklich?
    Ein Vorteil des Gewitters ist natürlich, dass wir von den ganz heißen Temperaturen verschont bleiben, aber trotzdem, auch bei 30 Grad und Sonnenschein läuft sich ein Marathon deutlich langsamer als bei 23 Grad und Bewölkung…
  • Krämpfe
    Das ist das, was mir momentan auch große Sorgen macht: ich habe ständig Krämpfe, sowohl in Ruhe als auch unter Belastung. Lässt sich leider weder mit Magnesium- noch mit Salzdröhnung beheben, sondern hat andere Ursachen, die sich aber bis Sonntag nicht mehr abschalten lassen. Von daher hoffe ich einfach mal, dass es so lange wie möglich gut geht… und ich nicht 42,2km lang am Main entlang humpeln muss…

Also alles nicht gerade so besonders erfreuliche Dinge, aber trotzdem: ich freue mich drauf und ich werde mein Bestes geben und dann schauen wir mal, was dabei herauskommt.

IRONKIDS wird auf September verschoben

Rund um den Ironman gibt es ja noch eine Reihe von weiterer Veranstaltungen, wie beispielsweise das IRONKIDS-Rennen, welches am Samstag vor dem Ironman in Friedberg stattfindet und bei dem die ganz kleinen schon einmal Eisenmann üben können. Da ich eine Zeit lang an der Kaiserstraße gewohnt habe, konnte ich das Spektakel das ein oder andere Mal beobachten. War echt klasse, was die Kids da so geleistet haben, wobei ich manchmal den Eindruck hatte, die Eltern sind dabei noch ehrgeiziger als die Kinder selbst… ;D

Dieses Rennen findet nun laut Ironman-Website am Samstag nicht statt.. und wird auf 26.September verschoben.

Der Grund:

Deutschland steht im WM-Viertelfinale […]. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Fans am kommenden Samstag, dem 3. Juli, wieder Grund zum Jubeln haben. Die IRONKIDS Rad- und Laufstrecke – Friedbergs Kaiserstraße – wird dann zum Hauptziel der Fans. Auf Empfehlung der Rennleitung werden wir den IRONKIDS verschieben, denn wir können für die Sicherheit auf der Strecke zu diesem Zeitpunkt nicht garantieren.

Soll heißen, man befürchtet bei einem Sieg der Deutschen gegen Argentinien, dass die Radstrecke von den Fans gestürmt wird… so ganz abwegig ist das gar nicht, denn in diesem hübschen Video kann man sich anschauen, was nach dem England-Spiel in Friedberg auf der Kaiserstraße los war.

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