Im Endorphin-Rausch

Da ich gerade von einem meiner geilsten Läufe ever heimkomme und noch immer total im Endorphin-Rausch bin, muss ich das, was ich gerade erlebt habe, auch gleich in Bits und Bytes meißeln.

Doch alles schön der Reihe nach: die letzten fünf, sechs Wochen kam ich kaum dazu, Sport zu treiben und auch in den nächsten Wochen wird das zeitlich recht schwer auf die Reihe zu bringen sein. Deshalb habe ich mir vorgenommen, um überhaupt halbwegs wieder in Tritt zu kommen, einfach spät abends im Dunkeln zu laufen; heute war Premiere.

An sich nicht wirklich erwähnenswert so ein Nachtlauf: Stirnlampe an, Kopfhörer vom iPod in die Ohren und los kann es gehen, natürlich nur auf den gut bekannten Laufwegen. Wahrscheinlich wäre es auch ein extrem langweiliger Lauf geworden, wenn der Regen nicht gekommen wäre.

Ich war gerade mitten im Feld zwischen Wölfersheim und Echzell, alles ringsherum stockdunkel, da fing es auf einmal an, wie aus Eimern zu schütten. Ich in kurzer Zeit klatschnass, die Feldwege komplett überflutet. Strömender Regen und eine Stirnlampe auf volle Power, alleine das hat schon was, wenn man aber bedenkt, dass ich als Sicherheitsapostel, den man nach Möglichkeit schon aus drei Kilometern Entfernung im Dunkeln erkennen soll, mit meinen unzähligen LED-Leuchten und Reflektoren am ganzen Körper aussehe, wie eine Großraum-Diskotheken-Beleuchtung, dann kann jetzt jeder ungefähr erahnen, wie geflasht ich gewesen sein muss, als der Regen einsetze.

Von meiner Umwelt habe ich ab diesem Zeitpunkt nichts mehr wahrgenommen, überall hat es nur noch in allen Farben des Regenbogen geblitzt und gefunkelt, auf den Ohren kamen in voller Lautstärke mehr als zehn Jahre alte Hardtrance-Tracks. Ich war sofort zurückerinnert an die besten Zeiten von Paramount Park und Prodo-X. Es war alles wie damals, nur irgendwie viel besser.

Knappe 30min am Stück -so lange hat es geregnet- bin ich quasi wie in Trance im Blitzlichtgewitter durch die Nacht geflogen, gefühlt habe ich mich dabei, wie zu Jugendzeiten auf der Tanzfläche einer Großraumdiskothek. Sogar die Musik passte. Einfach genial… Reinstes Kopfkino… zurück in die Jugendzeit… (und ungefähr so leicht, wie damals, lief es sich auch)

Wer einen anderen Musikgeschmack hat und somit früher in anderen Locations zuhause war, wird das vielleicht nicht im Entferntesten nachvollziehen können, aber die wenigen unter euch, die früher auch in Rödermark, Darmstadt, Bochum, usw. ihre Wochenenden verbracht haben, werden schon wissen, was ich meine und denen empfehle ich: probiert das auch einfach mal aus!

13. Nidda-Rundlauf in Florstadt

Heute nachmittag habe ich bei strahlendem Sonnenschein und warmen 25 Grad wieder einmal einen Laufwettkampf gemacht; einen ganz kurzen über 5km. Eigentlich hatte ich die letzten Wochen nicht wirklich trainiert, sondern bin nach Lust und Laune gelaufen, aber da Henrik dort starten wollte, dachte ich mir, ‚hey, machst einfach mal mit und guckst, wie schnell du noch bist‚.

Ausgerechnet hatte ich mir, dass eine Zeit von knapp unter 21min möglich sein dürfte, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass es nicht zu heiß und die Strecke exakt vermessen sein würde. Ersteres war schon mal nicht der Fall: die Sonne brannte, die Luft hatte zwar nur 25 Grad, aber irgendwie kam es mir deutlich wärmer vor. Trotzdem wollte ich versuchen, dass die 20 am Ende vorne steht.

5km-Niddalauf

Und so ging es an den Start, erstmals habe ich mich recht weit nach vorne gestellt.

Nidda-Rundlauf 2011

Ich bin nach dem Startschuss zügig angegangen und hab mich versucht, an den anderen Läufern zu orientieren, von denen ich wusste, was die für eine Zeit laufen wollten. Ob das eine so gute Idee war, diese Frage stellte ich mir nach dem ersten Kilometer, da stand nämlich dann eine 3:44min auf der Uhr, so schnell bin ich noch nie einen Kilometer gelaufen und es sollten noch 4 weitere folgen.

Ich machte daraufhin einen Tick langsamer. Nach der drei Kilometer-Marke tat es dann richtig weh. Mir war viel zu heiß und ich wollte einfach nur dass es vorbei geht. Es war auch kein Mitläufer in der Nähe, der nächste vor mir war viel zu weit weg und nach hinten habe ich auch niemand mehr gesehen, zumindest nicht in unmittelbarer Reichweite; Kilometer 4 war dann auch der langsamste mit 4:14min. Mit dem immer näher kommenden Ziel gings dann aber doch wieder ein bisschen schneller. Nach 20:24min piepte dann mein Garmin für die 5km, das Ziel war allerdings noch mehr als 100m entfernt; aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich dann, dass es mit den Sub21 trotzdem klappen würde, auch mit etwas längerer Strecke und den heißen Temperaturen. Bei 20:53min hielt dann die Uhr an, neue persönliche Bestzeit über 5km. 🙂

Der Sieger

Ach übrigens: Henrik war zu diesem Zeitpunkt schon knapp 3min im Ziel; er gewann sogar den Lauf und durfte einen Pokal in Empfang nehmen:

Sieger des 5km-Laufs: Henrik Apel

Sehr bezeichnend fand ich auch das nachfolgende Foto: der strahlende und fit wirkende Sieger und ich daneben völlig am Ende! Wenn man bedenkt, dass Henrik davor schon eine Stunde lang von zuhause aus bis zum Wettkampf-Ort gelaufen ist, dann mal eben 5km geflitzt ist (anschließend übrigens dann auch wieder heim) und ich NUR diese blöden 5km mitgelaufen bin, einfach nur krass!

Nach dem Wettkampf

Fazit: ich freu mich, dass ich auch ohne gezieltes Training meine Zeit verbessern konnte und dass ich scheinbar etwas schneller werde beim Laufen. Alles im Plan also…

Weitere Fotos vom Niddalauf gibt es hier: Bilder – Nidda-Rundlauf 2011. Danke Katharina für’s fotografieren. 🙂

Frühjahrslauf in Giessen

Heute war mein erster Wettkampf in diesem Jahr und ich habe auch gleich mein erstes Saisonziel für 2011 erreicht, einen Halbmarathon in einer Zeit unter 1:40h zu laufen. Letztes Jahr war ja mein Versuch auf den letzten Kilometern schiefgegangen und auch dieses Mal sah es zwischendurch eine Weile so aus, als würde ich es wieder nicht packen; doch alles der Reihe nach.

Das Duell – Mann gegen Mann

Daniel verfolgt Axel

Neben meinem Sub-1:40-Ziel hatte ich noch ein weiteres: ich wollte meinen Arbeitskollegen Axel schlagen. Mit ihm habe ich mich in den letzten Wochen in der Mittagspause beim Laufen ständig duelliert (in erster Linie verbal) und nach meinen Verbalattacken musste ich nun Taten folgen lassen. Das Problem: er wollte auf 1:35h laufen, was mir eigentlich eine Nummer zu schnell ist, aber ich dachte, wenn er einen schlechten Tag hat und ich einen perfekten, dann wird das schon klappen. Oder wenn ich einfach dicht genug an ihm dranbleiben kann, dann wird es der pure Siegeswille schon richten. 😉

Eine ganz neue Erfahrung für mich, einmal nicht gegen die Uhr zu laufen, sondern gegen einen direkten Konkurrenten. Es sollte aber nicht lange dauern, dann befand ich wieder im Kampf gegen die Uhr… ich wollte gleichmäßig laufen und war damit die ersten drei Kilometer vorne, dann kam Axel an mir vorbei und ich versuchte dranzubleiben, was ich aber nur bis KM7 schaffte. Ein 4:30er Schnitt war zu diesem Zeitpunkt eindeutig zu schnell und ich machte einen Tick langsamer und hoffte, dass der Abstand nicht zu groß werden würde. Doch er wuchs kontinuierlich an.

Das Duell – Mann gegen Uhr

Daniel hat ein Tief

Nach ziemlich genau 46 Minuten waren die ersten 10km rum, meine Kräfte schwanden schon etwas, trotzdem konnte ich das Tempo noch bis KM15 noch einigermaßen hoch halten. Ich rechnete mir zu diesem Zeitpunkt aus, dass ich ja eigentlich nur noch einen 5min-Schnitt laufen müsste, um das Sub1:40-Ziel noch zu erreichen und dachte mir, dass das schon irgendwie klappen würde, doch dann kamen die härtesten zwei Kilometer zwischen KM16 und KM18. Da ging einfach gar nix mehr, ich konnte beim besten Willen den Schnitt nicht mehr unter 5min halten und war mir unsicher, ob ich überhaupt noch ins Ziel kommen würde. Mir ging’s echt dreckig und an mir flogen die Leute nur so vorbei. Ich weiß nicht warum, aber von jetzt auf gleich fühlte ich mich nach KM18 wieder einigermaßen und konnte auch wieder das alte Tempo laufen. Keine Ahnung warum, aber der Motor lief wieder…

Um das mal zu veranschaulichen, eine kleine Grafik von meinem Lauf, die die durchschnittliche Pace beim jeweiligen Kilometer anzeigt. Man sieht deutlich, dass da ein richtiges Tief drin ist und nachdem das überwunden war, ging’s ganz normal weiter, als wäre nix gewesen. Einfach eine krasse und neue Erfahrung für mich.

Tiefes Loch bei KM17 und KM18

Und diese wundersame Erholung hat dann dafür gesorgt, dass ich mit 1:39:32h dann doch noch unter meinem Sub-1:40-Ziel geblieben bin. Tja, und wenn dieser extreme Durchhänger nicht gewesen wäre, dann hätte es auf der ewig langen Zielgeraden vielleicht doch nochmal zu einem Showdown zwischen Axel und mir kommen können, denn auch Axel hatte in der zweiten Rennhälfte starke Probleme und kam nach 1:36:57h ins Ziel. Wer weiß, ob es mich nicht noch beflügelt hätte, wenn ich ihn 150m vor mir direkt vor Augen gehabt hätte.

Aber hey, Axel ist momentan einfach noch einen Tick besser, das muss ich akzeptieren. Ich bin trotzdem mehr als zufrieden: Ziel erreicht und -ganz witzig- damit auch noch den dritten Platz in der AK30 belegt und auch alle Frauen hinter mir gelassen.

Das bedeutete meine allererste Siegerehrung bei einem Laufwettkampf, zusammen mit Henrik, der mit seinen 1:25:48h insgesamt 7ter und Altersklassensieger wurde. 😀

Henrik und Daniel bei der Siegerehrung

Danke übrigens an meine Frau Katharina, die die ganzen schönen Fotos vom Halbmarathon beim Frühjahrslauf in Giessen gemacht hat.

4-jähriges Jubiläum

Auf Facebook hatte ich es bereits gestern verkündet, zum Bloggen kam ich erst jetzt: vor 4 Jahren, genau am 3.März 2007 begann meine „sportliche Karriere“. Damals habe ich in einer Bierlaune die Wette abgeschlossen, dass ich es schaffe, bis zum Jahresende 25kg abzunehmen. Wie das ausgegangen ist, konntet ihr ja alle auf Pro7 bei Galileo sehen. 😉

Jedenfalls war ich noch am gleichen Tag das erste Mal laufen, wobei man das im Nachhinein betrachtet nicht als laufen bezeichnen konnte, da sind manche beim Spaziergang schneller, denn für meine allererste Einheit von 5,2km Länge habe ich stolze 45 Minuten gebraucht. Das entsprach einem Schnitt von 8:39min/km… gefühlt habe ich mich aber dennoch, wie jemand, der gerade eine Höchstleistung vollbracht hat.

Mittlerweile laufe ich dann doch ein wenig schneller, aber im Vergleich zu meinen Arbeitskollegen immer noch recht lahm. Das soll sich ändern und deshalb ist dieses Jahr – ich hatte das schon mal erwähnt – das Laufen überwiegend dran.

Meine Ziele für 2011 hab ich mal so abgesteckt:

  • 10km in unter 44:00min
  • 21,1km in unter 1:40:00h – DONE!
  • 42,2km in unter 3:30:00h

Schau mer mal was ich davon packe… 🙂

IMG10 – Laufen – 5:43h

Im Bericht über meinen Radsplit habe ich ja bereits geschrieben, dass ich mich nicht richtig auf dem Rad verpflegt habe, insgesamt nur ein bisschen mehr als ein Drittel von dem, was ich eigentlich hätte zu mir nehmen sollen. Klar, dass ich dann schon leer in Frankfurt ankam und eigentlich hatte ich auch wirklich keine Lust mehr auf den Marathon. Mir war nämlich klar, dass ich diesen nicht wirklich würde durchlaufen können.

Kilometer 1 bis 17 – ca. 1:53h

Der einzige Grund, warum ich überhaupt auf die Laufstrecke bin, war, dass meine „Fans“ noch nicht in Frankfurt waren. Die hatten nämlich allesamt in Friedberg auf der zweiten Radrunde auf mich gewartet und da ich nicht genau wusste, wo sie wann sein werden, bin ich los und wollte zumindest so weit laufen, bis ich sie an der Strecke treffe. Die ersten Meter bin natürlich viel zu schnell los gelaufen, aber ich wurde schnell eingebremst, denn das erste Dixi-Häuschen war mir. Als ich nach ein paar Minuten aus dem gefühlt 50 Grad heißen Örtchen herauskam, hatte ich dann mein erstes und einziges Highlight: ich war wenigstens so früh auf der Laufstrecke, dass ich die Profis noch sehen konnte; zwar nicht den späteren Sieger Andreas Raelert, der war nämlich schon durch, aber zumindest Timo Bracht und Chris „Macca“ McCormack durfte ich noch auf ihrer letzten Laufrunde bewundern. Und kurz darauf überholten mich dann auch die führenden der Frauen, die auf ihrer vorletzten Runde waren. So viel zum positiven…

Wo ist meine Frau?

Der Rest war eher negativ: ich merkte, wie wenig Energie ich noch hatte, konnte mich aber trotzdem nicht überwinden, irgendetwas in mich reinzustopfen. Aber noch trieb mich der Gedanke „du kannst doch nicht ohne ein einziges Bändchen am Arm schon spazieren gehen“ zum Laufen an. Wobei das auch schon nicht mehr wirklich Laufen war, ein 6:30er Schnitt auf der ersten Runde und der Puls für den niedrigen Schnitt schon viel zu hoch. Da merkte man auch schon an den Werten, dass das nicht mehr ganz so in Ordnung war. Nach der ersten Runde traf ich dann meinen Bruder und ein paar Freunde, allerdings fehlte Katharina. Ja, ich war regelrecht entsetzt, hatte ich mich doch so gefreut, meine Frau zu sehen und dann war sie auch nicht da… „Die ist drüben“ rief mir mein Bruder zu und ich sagte nur: „Scheiße, nochmal 6km bis ich sie sehe…“.

Kilometer 17 bis 42,2 – ca. 3:50h

Anfeuerung auf der Laufrunde

Ja, und so bin ich nochmal weiter gelaufen, bis ich mir dann auf der Sachsenhausener Mainufer-Seite ein Bussi und einen Drücker abholen konnte… danach ging allerdings nicht mehr viel, bei Kilometer 17 war es dann so weit, ich bin zum ersten Mal gegangen… und bin auch nicht mehr losgelaufen…

Mit anderen Worten: ich bin über 25km am Mainufer spaziert, auch an den Stellen, wo viele Leute standen und die mich allesamt namentlich anriefen und meinten: „komm, Daniel, das geht schon, du siehst noch gut aus, lauf wieder an.“ – schon unglaublich, was einem da alles durch den Kopf geht… ach ja, und Spaß macht das nicht wirklich… und langweilig ist es auch… und mit großem Sport hat das dann auch nichts mehr zu tun… meiner Meinung nach zumindest…

Im Ziel nach 12:49h

IRONMAN Finish

Aber immerhin: ich konnte mich dazu überwinden, es zu Ende zu bringen, auch wenn schon relativ früh klar war, dass ich das Ziel, weswegen ich eigentlich angetreten bin, nicht wirklich erreichen kann.

(Trainings-)planung ist alles…

Heute in 14 Wochen ist es soweit, das heißt, so langsam beginnt die heiße Trainingsphase und das wöchentliche Trainingspensum nimmt stetig zu. Für die restlichen Wochen bis zum Ironman habe ich mir vorgenommen, im Schnitt ca. 15 Stunden/Woche zu trainieren.

Wahrscheinlich werde ich das nicht ganz einhalten können, so wie auch in dieser Woche. Geplant waren ursprünglich etwas mehr als 16 Stunden, letztlich wurden es aber nur 14 1/2. Hier mal 15min beim Schwimmtraining gestrichen, da bei den letzten 20min auf dem Rad keine Kraft mehr gehabt und beim Laufen ein kurzes Ründchen wegfallen lassen und den langen Lauf auch gleich mal auf 1:30h zusammengekürzt. Schnell fehlen am Ende dann ein paar Kilometer.

Insgesamt habe ich zwar etwas mehr als eine Ironman-Distanz (4,7km Swim, 197,5km Bike, 44,2km Run) innerhalb von sieben Tagen zurückgelegt, aber ganz zufrieden bin ich damit trotzdem nicht.

Theorie und Praxis

Ganz besonders mit dem heutigen Lauf nicht… Ich hatte ja vor einiger Zeit schon einmal geschrieben: „Planung ist alles“ und eigentlich wollte ich Hau-Ruck-Trainingsaktionen nicht mehr machen, doch heute war wieder mal so eine Aktion. Eigentlich war um ca. 13:30 Uhr alles perfekt: ich hatte Lust meinen langen Lauf zu machen, die Wetterkarten und Radarbilder, zeigten an, dass es noch eine ganze Weile trocken bleiben würde, ehe der nächste Regen kommen würde und meine Strecke hatte ich auch so gewählt, dass mich der Wind nicht stören würde. Alles perfekt, es konnte also losgehen. Bis mir eingefallen ist, dass ich gestern alle meine Laufklamotten in die Waschmaschine gesteckt habe, sie aber nicht in den Trockner umgepackt hatte.

Ganz toll, ich also die Wäsche in den Trockner gepackt, und mein Lauf gezwungenermaßen gleich zwei Stunden nach hinten gelegt. Als dann der Trockner endlich fertig war, habe ich dann schnell meine Sachen angezogen und bin los. Es war bewölkt, nicht sonderlich kalt, aber halt so, dass ich bei zwei Stunden Laufen nicht unbedingt was zu trinken brauche. Ich bin also los, Jacke an, Mütze über den Kopf, weil ich es nicht haben kann, wenn der Wind da reinpfeift und los ging’s…

Als erstes ging mein Blick auf die Pulsuhr, die ich nach dem Totalausfall von gestern, wieder hergestellt hatte, zumindest meinte ich das. Denn scheinbar war auf die Anzeige verstellt. Ich hatte drei Screens zur Auswahl: Welcome 1, Welcome 2 und Welcome 3 (statt Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Höhe, etc.). Alle drei zeigten aber nix an. Das heißt, meine Uhr verriet mir weder meine Herzfrequenz, noch die Zeit, die ich bereits unterwegs war, noch die Geschwindigkeit, einfach gar nichts. Tolle Uhr!

Nachdem sich die Aufregung darüber etwas gelegt hatte, sah ich dann schon das nächste Unheil auf mich zukommen. Eine große Regenwolke, genau die, die auf dem Radar ein paar Stunden zuvor noch weit weg war und sie zog genau in die Richtung der Laufstrecke, die ich mir ausgesucht hatte. Die Fallstreifen verrieten, dass da wohl auch einiges herunter kommt, also bin ich umgedreht und hab den Weg so gewählt, dass ich nicht in sie rein laufe, sondern an ihr vorbei. Das war eine gute Idee, denn ich wurde so nur ein bisschen nass. Der Nachteil war aber, hinter der Wolke kam dann strahlender Sonnenschein. Ich also mit langer Hose, Jacke und Mütze unterwegs und schön die schon relativ warme März-Sonne auf dem Rücken, dazu noch auf einer Strecke, die im Gegensatz zur geplanten, nicht nur flach ist, sondern auch mal schön bergauf geht. Lange Rede kurzer Sinn: ich war viel zu warm angezogen und habe geschwitzt ohne Ende.

… und nach 1:30h ging es dann eben nicht mehr, da musste ich heim und einfach was trinken…

Eigentlich habe ich gestern nur vergessen, die Wäsche umzuladen, aber der eine Fehler hat dann heute zu einer wahren Kettenreaktion geführt. Bin viel zu spät los, hatte mittlerweile Hunger, konnte nicht meine geplante Route laufen, hatte dadurch mehr Höhenmeter, mehr Wind und die unschönere Strecke. Und über diese Sachen habe ich mich dann auch noch die kompletten eineinhalb Stunden aufgeregt… ein schöner entspannter Lauf, wie er eigentlich geplant war, war es jedenfalls nicht.

Ich will…

… endlich mal wieder eine längere Strecke auf Asphalt laufen können:

Verschneite Laufwege

Ohne dabei ständig darauf achten zu müssen, nicht auszurutschen oder umzuknicken:

Vereiste Laufwege im Winter 2010

Und vor allem will ich mal längere Zeit laufen können, ohne dass meine Füße ständig in Eiswasser baden:

Große Pfützen mit Eis

Außerdem wäre es toll, wenn die Tage aufhören würden, an denen man die Sonne noch nicht einmal erahnen kann…

Ich will den Frühling…. JETZT!

Neue Erfahrung…

Ich weiß nicht, wann es das letzte Mal im Winter in ganz Deutschland flächendeckend so viel Schnee über einen längeren Zeitraum gegeben hat; ich kann mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern. Wenn es denn hier bei mir einmal schneit, dann ist das meist über Nacht und am Tag taut der Schnee auch wieder sofort weg oder aber, es ist eine ganze Weile richtig kalt und dann fängt es an zu regnen, so dass die Straßen mit einer Eisschicht überzogen werden, aber richtigen Schnee über mehrere Tage gibt es selten…

… und während meiner Läuferkarriere gab es das noch nie!

Deshalb war es heute für mich eine Premiere: mein erster langer Lauf im Schnee. Insgesamt 2:30h Stunden standen auf dem Plan und da ich keine Lust hatte mit einem Trinkgürtel durch die Gegend zu laufen, habe ich mir die Strecken so eingeteilt, dass ich bei der Hälfte wieder bei mir zuhause vorbeikommen konnte, kurz rein was trinken und dann wieder weiterzumachen.

Tolle Winterlandschaft

Die erste Hälfte war einfach sensationell: gutes Wetter, immer wieder kam kurz die Sonne heraus und die Landschaft sah einfach toll aus. So hatte ich meine üblichen Laufwege noch nie gesehen! Einige Abschnitte waren noch völlig unberührt, keine Spuren von Autos oder Wanderern, nur Spuren von Tieren, von denen ich dann auch einige zu Gesicht bekam: ein Hase hoppelte herum und eine Hand voll Rehe standen auf meinem Weg, ergriffen dann aber sehr schnell die Flucht, als ich näher kam; schade, dass ich kein Foto dabei hatte, aber das war echt einer der schönsten Läufe, die ich bisher gemacht habe. Die ganzen Eindrücke waren einfach so einzigartig, dass ich gar nicht merkte, dass das Laufen durch den tiefen Schnee auf Dauer doch recht anstregend war und ich dann erst einmal froh war, nach 70min kurz was trinken zu können und eine Banane zu verschlingen.

Quälerei auf der zweiten Hälfte

So toll der erste Lauf war, so schlimm war dann die zweite Hälfte: das Wetter wurde schlechter, der Wind stärker und das auch noch auf einer Strecke, wo es sowieso immer zieht. Ich hab deshalb auch fast die komplette Zeit richtig gefroren; außerdem musste ich mich nur auf den Weg konzentrieren. Hier hatten einige Autos Spuren in den Schnee gefahren, die aber durch Schneeverwehungen wieder komplett zugedeckt waren. Es ließ sich schwer erkennen, wo der Untergrund fest ist und wo nicht, die Folge: ich bin trotz Konzentration immer wieder leicht weggeknickt, so macht Laufen nicht wirklich Spaß. Zwischendurch hielt ich dann auch an einer windgeschützteren Stelle mal kurz um euch ein kleines Bildchen mitzubringen; den Foto hatte ich wegen den Eindrücken der ersten Hälfte mitgenommen, aber ein wirkliches Motiv hatte ich auf der zweiten Hälfte dann nicht mehr. (Hätte ich ihn doch nur zuhause gelassen).

Mir wurde immer kälter und ich beschloss, die Strecke etwas abzukürzen und eine geplante Schleife wegzulassen. Auf dem Rückweg traute ich dann meinen Augen nicht mehr, da kam mir doch tatsächlich ein Skilangläufer auf meinem Laufweg entgegen, Skilanglauf in der Wetterau, ich konnte das kaum glauben. Ich hätte auch gerne noch ein Beweisfoto mitgebracht, aber dem Akku meiner Kamera war es wohl auch zu kalt, der wollte einfach nicht mehr.

Fazit

Nach insgesamt 2:17h war ich dann endlich wieder daheim und um ein paar Erfahrungen reicher:

  • in einer Winterlandschaft zu laufen, kann richtig schön sein,
  • im Schnee zu laufen ist extremst anstrengend
  • man muss sich stark auf den Weg konzentrieren,
  • unberührte Wege sind toll zu laufen (sofern der Schnee nur 20cm hoch liegt),
  • nur halb geräumte Wege hingegen überhaupt nicht,
  • und Wind ist -wie immer- sch….,
  • genauso wie vereiste Wege…

Was mir -gerade in den Momenten- wo es weniger Spaß gemacht hat, immer wieder durch den Kopf geschossen ist, war der Gedanke: wie man bei solchen Bedingungen freiwillig einen ganzen Tag lang durch die Gegend laufen kann?

Hintergrund: mein Arbeitskollege wird am nächsten Samstag bei der Brocken Challenge teilnehmen und dort von Göttingen aus auf den Brocken laufen. Knapp 81km und über 2.200 Höhenmeter; die Wege dort dürften wohl noch zugeschneiter sein, als die hier bei mir. Einfach nur VERRÜCKT!

Was ist mit euch? Welche Erfahrungen habt ihr in den letzten Tagen gemacht?