1&1 – Aufpassen bei vorzeitiger Handyvertragsauflösung

Nachdem ich mich in meinem Sommerurlaub über die – in meinen Augen – nicht vorhandene „D-Netzqualität“ bei 1&1 so geärgert habe, habe ich es doch tatsächlich hinbekommen, meinen Handy-Vertrag vor Ablauf der Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten aufzulösen.

Das lief wie folgt ab:

Ich ging dem Social Media Team auf Twitter eine Weile per Tweet und Direktnachricht auf den Sack bis mir ein Rückruf von der entsprechenden Fachabteilung zugesagt wurde.

Der kam dann auch am Mittag des 5.Juli 2016 und eine bestens auf das Gespräch vorbereite Dame wollte sich mit mir darüber unterhalten. Sie hatte scheinbar die komplette Vertragshistorie vor sich und stellte dann natürlich Fragen, wie (Gedächtnisprotokoll): „Warum möchten Sie jetzt plötzlich aus wichtigem Grund kündigen, wo sie doch schon über 17 Monate diesen Vertrag haben, der übrigens aus einem Tarifwechsel in einen höherwertigen Tarif resultierte. Sie sind also schon deutlich länger mit 1&1 unterwegs und haben sich in dieser Zeit – bis auf einmal – nie über die Netzqualität beschwert. Und dieser eine Fall liegt auch schon sehr lange zurück.“ – Nach langem hin und her ließ sie das Argument gelten, dass sich meine Lebensumstände geändert hätten und ich nun vorwiegend an anderen Orten unterwegs sei, die eben nun einmal nur schlecht versorgt sind.

Ich fragte daraufhin, was mit dem subventionierten Handy passieren würde. Darauf sie (Gedächtnisprotokoll): „Sie bekommen nachdem die Kündigung wirksam ist, ein Schreiben von der entsprechenden Abteilung und werden zum Rücksenden des Handys aufgefordert. Für den Fall, dass ich das Handy nicht zurückschicken möchte, liege eine Rechnung bei.“ – Ich wollte natürlich wissen und fragte, wie hoch der Betrag sei. Ich ginge davon aus, dass bei einem Tarif, bei dem 24 Monate lang 20,- EUR pro Monat für das Smartphone fällig werden (Differenz zum gleichen Tarif ohne Top-Smartphone) und bei einer Restlaufzeit von 6 Monaten also 120,- EUR veranschlagt werden. Darauf sie (Gedächtnisprotokoll): „Ganz sicher könne sie das nicht sagen, aber ja, das sollte so in dieser Größenordnung liegen.“

Ok, dachte ich mir, das passt alles. Wir einigten uns auf eine vorzeitige Vertragsauflösung. Ich sollte das allerdings noch schriftlich einreichen, sie bräuchten das mit einer Unterschrift. Gut, auch wenn ich es recht sonderbar finde, dass ich zwar ein Vertrag per Mausklick abschließen kann, aber nur durch Unterschrift kündigen kann (woher wollen sie überhaupt wissen, wie meine Unterschrift aussieht, wenn sie noch nie eine bekommen haben), habe ich gleich danach das bereits vorgefertigte Schreiben fertiggestellt und abgeschickt.

Alles bestens!!!

 
 

… oder auch nicht?!

Denn am letzten Freitag kam dann der Hammer: das besagte Schreiben mit der Aufforderung, das subventionierte Handy innerhalb von 10 Tagen zurückzuschicken. Die beiliegende Rechnung enthielt aber eine Zahl mit der ich nicht gerechnet hätte: 1&1 will doch tatsächlich ernsthaft für ein Handy, wofür ich bereits 360,- EUR bezahlt habe und was es derzeit für einen Neupreis von 379,- EUR ohne Vertrag gibt, den damaligen Neupreis gemäß Herstellerempfehlung haben: satte 599,- EUR. Nicht nur, dass bereits getätigte Zahlungen nicht berücksichtigt werden, der Betrag von 599,- EUR ist fast exakt doppelt so hoch, wie der Restvertragswert. Denn hätte ich meinen – sowieso bereits regulär gekündigten – Handyvertrag noch 6 Monate bis zum Ende laufen lassen, wären lediglich 299,94 EUR fällig geworden. Unfassbar. Unverhältnismäßig. Aber am schlimmsten: dass man nicht darauf hingewiesen hat. Sonst hätte ich den Vertrag regulär auslaufen lassen.

Auf eine ersten Rückfrage kam übrigens eine patzige Antwort: „Wenn die Beträge Ihnen zu hoch sind, brauchen wir bitte unser Gerät zurück.“ – weitere Fragen, wie beispielsweise mit üblichen Gebrauchsspuren umgegangen wird – wurden bisher nicht beantwortet. Auch der versprochene Rückruf lässt seit 4 Tagen auf sich warten.

Auch von 20,- EUR pro Monat für das subventionierte Handy will keiner mehr was wissen, das sei erst viel später gekommen. Zitat aus der Mail: „Sie hatten keine Ratenzahlung 20 €/Monat, Preisunterschied 20 € statt 10 € zwischen Tarifen ohne und mit Handy besteht seit Kurzem.“ – Zum Glück habe ich noch alte PDFs mit den Preislisten zur Hand:

Das Handy bräuchte ich eigentlich nicht und sollte als Backup dienen, könnte also gut darauf verzichten. Hier komme ich mir aber schlicht und einfach verarscht vor, weshalb ich bereits die Verbrauchzentrale Rheinland-Pfalz kontaktiert habe und auch am Überlegen bin, die Rechtschutz zu bemühen und das von einem Anwalt klären zu lassen.

 
 

Update vom 15.08.2016, 10:46 Uhr:
Die bisherigen Angebote von 1&1 – alle über dem Restvertragswert und entweder mit nicht nachvollziehbarer oder gar keiner Begründung. Deshalb abgelehnt!

  • 599,00 EUR
  • 509,99 EUR
  • 419,99 EUR
  • 300,00 EUR
  • 329,00 EUR

Irgendwie erweckt das bei mir den Anschein, als hätte die Ablösesumme für das Handy keinen betriebswirtschaftlichen Hintergrund…

Update vom 23.08.2016, 16:09 Uhr:
Nach langen Verzögerungen und weiteren genervten Tweets an den 1&1 Kundenservice habe ich mich nun endlich mit 1&1 über die Kosten für die Handyübernahme geeinigt. Sie haben letztlich doch die bezahlten 20,- EUR pro Monat als Handyrate anerkannt und zudem noch einen kleinen Abschlag „aus Kulanz“ gewährt auf Grundlage der damaligen UVP. Das liegt zwar über meiner Rechnung, die 24×20€ als Handypreis anzusetzen, aber es ist – denke ich – eine Lösung mit der alle Beteiligten leben können.