3, 2, 1 … ist sie meins?!

Es ist schon eine ganze Weile her, um genauer zu sein, über 11 Jahre, als ich an einer Tankstelle jobbte und abends, wenn wenig bis gar nichts mehr los war, die PC-Magazine durchblätterte. Dabei fielen mir immer diese Werbebeilagen ins Auge, die einem für damalige Verhältnisse günstige Webspace- Angebote machten, natürlich inklusive echter DE-Domain. Irgendwann erlag ich dem Charme eines Strato-Prospekts und füllte die Postkarte aus (ja, die Domainregistrierung ging damals noch richtig Oldschool-mäßig per Post); doch leider ließ sich eine Domain, die ich gerne registrieren wollte, einfach nicht registrieren; nämlich die Domain rued.de. Alternativ musste ich deshalb auf die danielrued.de ausweichen.

Warum konnte ich die rued.de nicht registrieren? Ganz einfach: es gab diese Richtlinien der Vergabestelle DENIC, die besagten, dass man KFZ-Kennzeichen freihalten wolle, um eventuell bei den immer knapper werdenden freien Namen auf Third-Level-Domains auszuweichen, also auf Domains nach dem Muster: [name] . [kfz-kennzeichen] . de

Dummerweise ist Rüd auch gleichzeitig ein KFZ-Kennzeichen und zwar für den Rheingau-Taunus-Kreis, abgeleitet von Rüdesheim. Und so durfte ich meinen Nachnamen nie als Domain registrieren.

Bis jetzt…

… denn in wenigen Minuten treten neue Richtlinien von der DENIC inkraft, die so ziemlich alle bisher existierenden Einschränkungen aufheben. Das heißt, neben den KFZ-Domains dürfen nun auch reine Zahlendomains registriert werden, ebenso wie Domains mit nur ein oder zwei Zeichen. Ein sensationeller Schritt mit dem so eigentlich keiner mehr gerechnet hatte. Der einzige Nachteil dabei ist, die Domains werden nach dem Verfahren „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ verteilt. Und das heißt, man muss schnell sein, wenn man eine Domain haben will, bei manchen dürften sogar Millisekunden entscheiden. Zusätzlich gibt die DENIC vor, dass nur maximal 4 Registrierungsaufträge pro Minute pro Denic-Mitglied angenommen werden.

Das hat mittlerweile zu bizarren Entwicklungen geführt: während einige Provider Vorregistrierungen ohne Gebühr annehmen, verlangen andere eine Pauschale für jede vorregistrierte Domain oder nehmen erst gar keine Registrierungswünsche an. Andere hingegen lassen sich die besten Positionen teuer bezahlen und erheben zusätzliche eine Provision im Falle einer erfolgreichen Registrierung. Auch die Domainhandelsplattform Sedo beteiligt sich an dem Spektakel und „versteigert“ Domains, die es noch gar nicht gibt. Partner-Unternehmen versuchen dann die Domains für den Höchstbietenden zu registrieren. Der Vogel ab schießt aber ein DENIC-Mitglied, der versucht hat, gleich seinen kompletten Zugang zum Registrierungssystem der DENIC bei eBay zu versteigern, so dass ein einzelner bzw. ein einzelnes Unternehmen die Möglichkeit gehabt hätte, insgesamt 1.200 Domains zu registrieren. Da kann auch ich nur noch mit dem Kopf schütteln, denn kein Mensch hat ernsthaft Interesse an so vielen Domains, es sei denn er will am Wiederverkauf verdienen. Das heißt also, solche dubiosen Angebote dürften nur für Grabber interessant sein, und genau das finde ich das unfaire an solchen Angeboten. Zum Glück ist die Auktion an den überzogenen Preisvorstellungen des Anbieters gescheitert, denn dem waren über 73.000 EUR (brutto) nicht genug.

Ich habe natürlich auch bei diversen DENIC-Mitgliedern meinen Registrierungswunsch abgegeben und auch teilweise eine nicht ganz niedrige Provision angeboten für den Fall einer erfolgreichen Registrierung. Dennoch bin ich skeptisch, ob es auch wirklich klappt… aber eines steht fest, sollte wirklich ein Grabber die Domain schnappen, dann geht gleich im Anschluss ein DISPUTE-Antrag von mir raus und dann hole ich mir die Domain notfalls per Gericht wieder; immerhin warte ich darauf schon seit fast 12 Jahren. Für den Fall, dass ein anderer Rüd die Domain bekommt, bleibt mir nix anderes übrig, als zu gratulieren…

Ich bin gespannt… das ist alles viel spannender als so manche eBay-Auktion: 3, 2, 1, … wird die Domain meins?

Update: mein Provider, die Variomedia AG, hat es doch tatsächlich geschafft und die Domain für mich registriert. Juchhuu!

Ab heute gibt es ME-Domains

Heute wurde die Live-Phase der Toplevel-Domain ME gestartet und somit kann sich jetzt jeder seine eigene ME-Domain sichern. Es handelt sich dabei eigentlich um das Länderkürzel für Montenegro, aber da es es sich dabei auch um das englische Wort für „mich“ handelt, kann man einige Wortspielereien damit betreiben, wie beispielsweise kiss.me, love.me, f***.me, etc. – aber diese Sonderfälle wurden als „Premium Name“ von der Vergabestelle geblockt.

Aus SEO-Sicht halte ich sowieso nichts von den ganzen Länderdomains, ich käme also nicht auf die Idee, mir eine suchmaschinenoptimierung.me oder private-krankenversicherung.me zu holen, nur damit ich vielleicht einen kleinen Vorteil bei Google habe (was sowieso nicht der Fall sein wird), aber für Wortspielereien bin ich ja immer zu haben. Doch leider wurden die von mir beantragten Domains von SchlundTech schon im Vorfeld gestrichen, auch ein weiterer Versuch in der Live-Phase scheiterte mit der Meldung „domain is blocked“, obwohl sie in der WhoIs-Abfrage noch als frei dargestellt werden.

Das wundert mich nun schon ein bisschen. Hält man da bestimmte Domains, für die es unzählige Vorbestellungen gab, bewusst zurück? Ich weiß es nicht, aber irgendwie ist es schon komisch, dass einige tolle Begriffe, die nicht zu den „Premium Namen“ gehören, noch frei sind und trotzdem nicht registriert werden können.

Übrigens, eine einzige Domain habe ich bekommen: rued.me 😉

Quasi eine weitere für meine Sammlung, der Mensch ist halt doch ein Jäger und Sammler.