Artikelverzeichnisse – Sinn oder Unsinn

Artikelverzeichnisse sind mittlerweile voll im Trend, wenn es um die Beschaffung von themenrelevanten Backlinks zum Pushen der eigene Seite in den Suchergebnissen geht. Hobby-Webmaster und Suchmaschinenoptimierer setzen gleichermaßen auf Artikelverzeichnis-Links bei ihren Optimierungsmaßnahmen. Auch gibt es inzwischen Leute, die das Schreiben von Artikeln für eben diese Verzeichnisse als reine Dienstleistung anbieten.

Wie vielleicht der ein oder andere weiß, betreibe ich seit Februar 2005 selbst ein Artikelverzeichnis unter der Domain www.themenrelevanz.de, welches inzwischen knapp 3.000 Artikel beheimatet, also nicht gerade zu den kleinsten dieser Art gehört. Auch habe ich die schon vor längerer Zeit registrierte Domain www.verzeichnis.cc dazu verwendet, eine Übersicht von Artikelverzeichnissen anzubieten, doch leider ist die Liste der aufgenommen Portale noch nicht sehr groß, da mir etwas die Zeit dafür fehlt. Hinzu kommt, dass jeden Tag neue AVs wie Pilze aus dem Boden schießen.

Sinn…

Eigentlich ist das Konzept der Artikelverzeichnisse so: jemand erstellt einen hochwertigen, individuellen Text und stellt ihn auf ein Artikelverzeichnis ein. Der Betreiber erhält somit wertvollen Content, den er z.B. mittels Google Adsense oder ähnlichem vermarkten kann. Im Gegenzug erhält der Autor je nach Anbieter ein bis drei Backlinks für die eigene Website. Besonders hervorzuheben ist, dass man bei den Artikeln die für das Ranking in Suchmaschinen so immens wichtigen Linktexte frei wählen kann, das ist z.B. bei Webkatalogen, wo man auch kostenlose Links bekommen kann, meistens nicht der Fall.

… oder doch Unsinn?

Eigentlich hört sich dies nach einer Win-Win-Situation an, doch die Frage ist: ist dem wirklich so?

Bei genauerem hinsehen, werden schnell die ein oder anderen Nachteile deutlich, sowohl auf Seiten des Autors als auch auf Seiten des Anbieters. Uwe hat das bei sich im Blog vor kurzem schon einmal zusammengetragen, ich möchte es lediglich noch ein wenig ergänzen.

Sicht des Autors

Der Autor muss in der Regel für jedes Artikelverzeichnis einen individuellen Text erstellen, da die meisten AVs Exklusivität erwarten; auch werden meist mindestens 250 Wörter erwartet und der Text sollte eine gewisse Schöpfungshöhe haben, also nicht einfach heruntergeschrieben sein. So etwas braucht Zeit, je nachdem, wie leicht es einem fällt, zu schreiben, kann man schon einmal 30 bis 90 Minuten rechnen, wenn man wirklich einen hochwertigen Artikel schreiben möchte. Was für einen Stundensatz da anzusetzen ist, muss jeder selbst wissen. Daraus kann man natürlich ausrechnen, was einen der oder die Links einmalig kosten.

Ob der Preis allerdings für solche Links gerechtfertigt ist, sollte man hinterfragen, denn bei den attraktiveren Artikelverzeichnissen kommen täglich etliche neue Artikel hinzu, was zumeist dazu führt, dass der eigene Content immer weiter nach hinten rutscht und somit immer schlechter von der Startseite aus verlinkt ist. Das bedeutet, der Link wird im Hinblick auf die Suchmaschinenoptimierung immer niedriger bewertet und auch die Leser des Artikels werden somit immer weniger werden. Traffic ist dann wohl kaum noch zu erwarten. Bei weniger attraktiven AVs kommen zwar weniger Artikel hinzu und deshalb ist der Effekt nicht so stark, allerdings fehlen da von Anfang an die Besucher und die Wertigkeit für Suchmaschinen ist ebenfalls nicht sehr hoch.

Ein weiterer Punkt ist, dass man als Autor eines Artikels, den man in die Hände des AV-Betreibers gegeben hat, nicht bestimmen kann, welche Art von Werbung im Umfeld des Artikels erscheinen wird. Im ungünstigsten Fall holt man Leser durch seinen wertvollen Content auf die Artikelseite, diese gelangen aber nicht -wie gewünscht- auf die eigene Website, sondern über die Adsense-Werbung oder über vermietete Links auf die Seiten der Konkurrenz. Sozusagen sorgt man noch für Umsatz bei den Wettbewerbern.

Sicht des Anbieters

Wenn man sich die Sicht des Autors mal vor Augen führt, müsste man denken, der Betreiber hat bei dem Konzept die größeren Vorteile, doch auch dem ist nicht so.

Wie bereits erwähnt, betreibe ich selbst ein Artikelverzeichnis, wo täglich rund 20 neue Artikel eingestellt werden. Diese 20 Artikel müssen selbstverständlich kontrolliert werden. Zum einen, ob die verlinkten Seiten aus SEO-Sicht sauber sind (Stichwort: Bad Neighbourhood) zum anderen, ob dort illegale Dinge angeboten werden oder ob die Zielseite offensichtlich Marken- oder Urheberrechte verletzt. Auch der Text sollte zumindest mal überflogen werden, denn mit er Veröffentlichung riskiert man natürlich auch eine Abmahnung, denn man hat den Text ja vorher überprüft und somit Kenntnis vom Inhalt.

Wer das nachhaltig macht, der benötigt schon einmal fünf bis zehn Minuten Zeitaufwand pro Artikel. Macht bei 20 Artikeln pro Wochentag -knapp gerechnet- rund 10 Stunden pro Woche. Die will man natürlich auch bezahlt haben und genau da liegt das Problem.

Einnahmequellen sind ausschließlich der Verkauf von Links und die Werbeeinnahmen z.B. durch Adsense. Und diese kann man nur erschließen, wenn die Website viele Besucher hat. Die widerum bekommt man nur über eine gute Platzierung in Suchmaschinen und diese muss man sich auch erst erarbeiten. Heißt: noch mehr Arbeit reinstecken, zum Beispiel in optimierte Webseiten und Linkbuilding-Maßnahmen. Bedeutet aber auch: noch mehr Zeit- und somit Kostenaufwand.

Wann der sich jemals rechnen soll, ist unklar. Deshalb gehe ich davon aus, dass in der nächsten Zeit auch viele Artikelverzeichnisse wieder ihre Pforten schließen werden oder zumindest zusätzlich zu einem Artikel auch noch einen Backlink mit optimiertem Linktext erhalten wollen. Aber selbst letzteres Beispiel will ja auch kontrolliert sein und was tun, wenn der Autor den Link entfernt? Artikel offline schalten? Dann schadet man sich selbst und den Autor anschreiben kostet auch wieder Zeit.

Auch ich habe schon einmal darüber nachgedacht, die Neuanmeldung von Artikeln vorerst zu schließen, genauso, wie es bereits Artikel-Online getan hat.

Die einzige Möglichkeit, erheblich Zeit einzusparen, wäre, dass man Artikel generell ohne Prüfung freischaltet und einen Button hinzufügt, wo man illegale Inhalte oder bedenkliche Inhalte melden kann. Wie das ganze dann aus rechtlicher Sicht zu interpretieren ist, weiß ich allerdings noch nicht. Wäre eigentlich mE. vergleichbar mit einem kostenlosen Homepageanbieter mit Baukastensystem und somit müsste ich nicht zwingend kontrollieren, sondern nur reagieren, sobald mir bestimmte Verstöße bekannt werden. Aber ich bin kein Anwalt…

Fazit: genauer betrachtet ist das Artikelverzeichnis-Konzept in der jetzigen Form ein Loose-Loose-Konzept. Eine Idee, wie man das ganze rumdrehen kann, ist mir bisher noch nicht gekommen. Vorschläge gerne in den Kommentaren. 😉

14 Kommentare zu “Artikelverzeichnisse – Sinn oder Unsinn

  1. Danke für den interessanten Artikel. Genau vor der Frage „Sinn oder Unsinn von Artikelverzeichnissen“ aus der Sicht des Autors stehe ich gerade. Vor allem beschäftigt mich die Überlegung, ob solche Verzeichnisse mangels qualitativ guter Backlinks (welche „gute“ Seite linkt auf ein Artikelverzeichnis?) überhaupt das eigene Ranking fördern…

  2. Das die hochangepriesenen Artikelverzeichnisse nichts Wert sind, kam mir als ich ca 1 Stunde für meinen ersten und letzten Artikel investiert habe, der dann nicht mal angenommen wurde, oder einfach in der ewigen Warteschleife gelandet ist.

    ich find es super das jemand das auch mal veröffentlicht!

    Daumen hoch!

    lg, Bernie

  3. Ein Freund hatte sich in alle Artikelverzeichnisses, die er gefunden hatte, eingetragen. Der Effekt war aber sehr bescheiden gegenüber einen normalen Linktausch. Der zeitliche Aufwand, laut seiner Aussage, war auch um einiges höher.

    Seitdem bin ich vorsichtiger und überlege mir sehr genau, ob sich der Aufwand lohnt.

  4. Ich habe bislang gute Erfahrungen mit Artikelverzeichnissen gemacht. Wichtig dabei ist, welche AVs man sich aussucht. Es gibt paar schwache, die bei „Artikelverzeichnis“ ranken, und ein paar, die gute Linkpop und auch paar gute Links haben.

  5. Ich bin eher gespaltener Meinung. Zum einen helfen Artikelverzeichnisse, die eigene Themenrelevanz für die Seite aufzubauen, aber andererseits Ranken die Artikel mit der Zeit schlechter, da weitere Artikel hinzukommen. Da stellt sich die Frage, ob sie „langfristig“ etwas bringen.

  6. Hi,

    als Betreiber eines Artikelverzeichnis hast du ja neben dem Verkaufen von Links und den Einnahmen über AdSense noch die Möglichkeit das AV für deine eigenen Zwecke zu nutzen. Sprich als Linkspender für eigene Projekte. Gut, dass dies natürlich eine gewisse Zeit dauert ist klar. Dennoch, rentieren tut sich dies am Ende schon 🙂

    Gruß
    Fabian

  7. Hallo,
    das Problem bei den gängigen Artikelverzeichnissen sehe ich darin, dass diese teilweise mit einem Text zugemüllt werden, den sich niemand trauen würde auf seine eigenen HP zu setzen.

    Beste Grüße

  8. Hi,

    zunächst, weil naheliegend, @Frank:
    Das ist richtig! Es liegt am Betreiber des AV, welche Artikel er zulässt und welche nicht veröffentlicht werden. Das ist sicher immer eine Gratwanderung.

    Da ich sowohl die Seite des Contenterstellers als auch die des AV-Betreibers kenne, könnte ich jetzt einen Roman dazu schreiben.
    Allen Kommentatoren kann ich fast vollständig zustimmen.
    Grundsätzlich: Die Welt ist auch im internet immer so, wie man sie sehen will. Wir kennen alle das Beispiel des halbvollen Wasserglases 😉
    Und das, was im realen Leben oft verflacht, fehlt auch im Internet zunehmend: Sich in die Situation des Anderen hinein zu versetzen und miteinander zu kommunizieren.
    Oftmal sind nur noch die Dollar / oder Euro entscheidend und alles passiert nur noch „verkrampft“.
    Auch wenn es Googles Adam Lasnik geschrieben hat: Don’t worry, be happy!

    Gerne tausche ich auch Gedanken und Erfahrungen aus, derzeit per mail und bald in meinem Blog;-)

  9. Hallo ich denke das Google demnächst irgend ein Tool erfindet mit dem die alle Phplinkdirectories rauswerfen.

    Beste Grüße
    Micha

  10. Hi,

    da es ja immernoch so ist, dass täglich neue
    Artikelverzeichnisse aus dem Boden wachsen,
    denke ich mal das dieses Konzept noch ein
    wenig Erfolg verspricht.

    Ich persönliche versehe alle von mir geschriebenen Artikel per Social Bookmarking
    um eine schnellere Indexierung zu erreichen und diese Indexierung auch zu erhalten.

    Viele Grüsse

    Steffi

  11. @ Thomas Mergen: Ich dachte immer 4.am wäre die Mutter aller Artikelverzeichnisse. Was ist denn nun wirklich der erste Artikelkatalog??

  12. Ich denke, da man durch AV´s themenrelevante Backlinks erhält, lohnt sich der Aufwand für den Schreiber auf alle Fälle. Günstiger und einfacher kommt man einfach nicht an Links in themenrelevantem Content. Und zum Verdienst für den Betreiber: Für viele Betreiber ist ein Artikelverzeichnis nicht unbedingt nur zum Gled verdienen da, die meisten betreiben es als Hobby.

  13. Für die Freischaltung eines Artikels benötigt man ca. 1 – 2 min – wenn die User eben etwas mehr (auch im eigenen Interesse) den eigenen Artikel mit Links stärken würden, wäre das sicherlich eine Win-Win Situation. Nur leider wollen das die meisten nicht verstehen. Es „scheut“ sich ja jeder Links „zu verteilen“. Na ja – wie auch immer. Wenn Ihr eine Reise- oder Hotelseite habt und auf unserem Reiseverzeichnis exklusive Einträge machen wollt – seit Ihr gerne willkommen. Mit oder ohne Backlink… :o)

  14. Auch ich halte Artikelverzeichnisse für gut und sehr hilfreich.

    Jedoch habe ich zwei Dinge im Kopf die mich grübeln lassen:

    Zum Einen bin ich nicht wirklich davon überzeugt das der Beitrag in einem Artikelverzeichnis von Google anders gewertet wird als von einer Linkliste oder ähnlichem.

    Das Zweite, ich trage mich persönlich nirgends ein, wo ich mich parallel auch noch registrieren muß. Das ist mir einfach zuviel Aufwand … und es gibt genügend anderer Kataloge in denen keine Registration erforderlich ist.

    Ansonsten ist eine Artikelverzeichnis immer sehr gut!

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