Das unsichtbare Fundament

Wenn man sich anschaut, wie heute üblicherweise Startups gebaut werden, gibt es dafür ein fast schon in Stein gemeißeltes Drehbuch: Such dir eine ganz spitze Nische, definiere eine klar abgegrenzte Zielgruppe und wirf so schnell wie möglich ein erstes, vorzeigbares Produkt auf den Markt. Alles andere – wie Skalierbarkeit, Automatisierung oder eine saubere Architektur unter der Haube – kann man ja später noch glattziehen, wenn das Geschäft erst mal läuft.

Ein Ansatz, der in vielen Bereichen sicherlich seine Berechtigung hat. Wer allerdings von außen mit genau dieser klassischen Startup-Schablone auf das blickt, was ich bei meteoCORE mache, reibt sich vermutlich erst mal verwundert die Augen.

Warum halte ich mich nicht einfach an dieses gängige Schema? Ganz einfach: Weil ich nicht bei null auf der grünen Wiese anfange, sondern inzwischen fast 30 Jahre Berufserfahrung im Aufbau von Software und Geschäftsprozessen auf dem Buckel habe. Wenn man mal von einem kurzen Ausflug in einen Großkonzern ganz zu Beginn meines Arbeitslebens absieht, war ich dabei immer in kleinen und mittelständischen Unternehmen unterwegs. Genau dort, wo man Verantwortung bekommt, Dinge direkt bewegen kann und unmittelbar sieht, was funktioniert – und was eben nicht. Zwar war ich meist nicht der Chef auf dem Papier, aber immer einer derjenigen tief im Maschinenraum, die den Laden technisch und strukturell mit aufgebaut haben.

Und wenn ich in diesen drei Jahrzehnten über völlig unterschiedliche Branchen hinweg eines immer wieder gesehen habe, dann sind es exakt die gleichen Schmerzen beim Wachsen. Am Anfang muss alles schnell gehen, man nimmt Abkürzungen, zimmert mit heißer Nadel irgendwelche Lösungen zusammen, um schnell Ergebnisse zu zeigen – und irgendwann frisst einen die technische Schuld bei lebendigem Leib auf. Plötzlich verbringt man den Großteil seiner Zeit nur noch damit, ein historisch gewachsenes Konstrukt unter großen Schmerzen am Leben zu halten, statt das eigentliche Produkt weiterzuentwickeln.

Mit meinem eigenen Unternehmen habe ich jetzt das Privileg, diese technische Schuld von Tag eins an gar nicht erst entstehen zu lassen.

Auf Außenstehende mag das im ersten Moment befremdlich wirken. Da entsteht schnell der Eindruck, ich würde mich in Themen verlieren, die mit dem eigentlichen Kerngeschäft – dem Wetter – auf den ersten Blick überhaupt nichts zu tun haben. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Für mein Vorhaben ist dieses saubere Fundament das Kerngeschäft.

Es ist am Ende immer eine Frage der Perspektive und dessen, was man eigentlich vorhat. Wenn man ein einzelnes Produkt für eine klar definierte Special-Interest-Nische baut, gelten andere Spielregeln. Da kommt man mit schnellen, pragmatischen Lösungen am Anfang weit.

Wenn man aber von Beginn an in einem Plattformgedanken unterwegs ist, ist das eine ganz andere Hausnummer. Eine Infrastruktur, die später unterschiedlichste Dienste, riesige Datenmengen in Echtzeit und verschiedenste Abnehmer zuverlässig tragen soll, verzeiht keinen Pfusch am Bau. Und noch etwas kommt hinzu: Dort, wo ich mit meteoCORE hin will, reicht es nicht, wenn Dinge einfach nur irgendwie funktionieren. Da braucht es von Grund auf nachvollziehbare Prozesse, saubere Strukturen und perspektivisch auch Themen wie ISO-Zertifizierungen. Wer schon einmal erlebt hat, was es bedeutet, einem über Jahre wild gewachsenen System im Nachhinein solche Standards überzustülpen, weiß, warum ich mir diesen Schmerz ersparen möchte. Jede Stunde, die jetzt in sauberes Arbeiten fließt, zahlt später genau darauf ein.

Dauert es dadurch länger, bis man draußen bunte Bildchen und fertige Anwendungen sieht? Ja, definitiv. Passt das in das klassische Startup-Lehrbuch? Eher nicht.

Aber nach fast 30 Jahren weiß ich ziemlich genau, warum ich welchen Stein wohin setze – auch wenn man das fertige Haus von außen noch nicht erkennen kann.