Zu stark vernetzt?!

Kennt ihr das auch?

Ich habe in letzter Zeit immer mehr das Gefühl, dass ich unproduktiver werde und mich permanent von irgendwelchen Dingen beim Arbeiten am PC abhalten lasse.

Wenn ich meinen Rechner zuhause hochfahre, dann werden von mir nach der Login-Maske gleich ein paar Programme gestartet: der Chrome mit drei Tabs, im ersten GMail mit meinen Mails, im zweiten der GoogleReader mit ausgewählten Newsfeeds und im dritten meine eigene Twitter-Lösung, danach starte ich noch Miranda IM mit einem ICQ- und einem MSN-Account, außerdem startet Skype sowieso automatisch.

ICQ, MSN, Skype, E-Mail, Twitter, RSS-Reader, etc. – alles Dinge, über die man schnell an bestimmte Informationen herankommen kann und/oder die man für eine schnelle Kommunikation verwenden kann. Doch mittlerweile frage ich mich, ob diese Tools einem nicht vielleicht mehr schaden als sie einem nutzen?

Beispiele

  1. RSS Feeds: Eine prima Sache, dachte ich in der Anfangszeit, denn meine Lieblingsblogs musste ich durch das Abonnieren des Feeds nicht mehr täglich ansurfen und auf neue Postings prüfen, ich wurde automatisch benachrichtigt. Jedes Blog, jedes Newsportal, was auch nur einmal einen guten Bericht gebracht hatte, wanderte in meinen Feedreader. Die Konsequenz: wenn man nicht von der Masse der Nachrichten erschlagen werden wollte, musste man mehrmals täglich die Feeds checken, außerdem wanderte immer mehr Müll bzw. uninteressante Beiträge zwischen die wirklich wichtigen.
  2. Twitter: auch eine wunderbare Sache. Hier bekommt man nahezu in Echtzeit aktuelle Themen geliefert, wenn man den richtigen Leuten folgt. Aber auch hier ist wieder das Problem, dass zwischen den wirklich nützlichen Informationen unglaublich viel unnützes Zeugs dabei ist und auch hier kommt man nicht mehr drumherum, ständig zu verfolgen, was die Leute so schreiben, denn die Gefahr, dass man abends von mehreren hundert Nachrichten erschlagen wird und die wichtigen überliest, ist sehr groß.
  3. ICQ, MSN, Skype: die Messenger sind auch eine wirklich geniale Erfindung und können einem manchmal richtig nützlich sein. Wenn man ein Problem hat und in seinen Kontakten jemand, der sich damit auskennt, kann man den einfach mal schnell anschreiben und sich weiterhelfen lassen. Aber auch hier gibt es die andere Seite: meist bleibt es nicht nur beim fachlichen Chat, sondern geht in einen Smalltalk über, weil man sich vielleicht lange nicht mehr gesehen/gehört/gelesen hat und so dauert das „Gespräch“ viel länger als eigentlich notwendig.
  4. E-Mail: ohne die elektronische Post geht heutzutage gar nichts mehr. Aber auch hier hat man mit viel Informationsüberfluss zu kämpfen; zum einen die unzähligen Spamemails, die täglich eintrudeln, zum anderen unwichtige Konversationen mit größerem Empfängerkreis, wo die einzelnen Personen immer die Funktion „Allen Antworten“ benutzen und man somit sehr viele Mails mit identischem Betreff im Posteingang findet. Hinzu kommen die ganzen Infomails von Social Networks. Übrigens: dies sind die Gründe, warum ich trotz Datenschutzbedenken GoogleMail verwende: aus den ganzen Mails mit identischem Betreff wird eine einzige Konversation im Posteingang gemacht und Google Spamfilter ist so ziemlich der beste, den ich kenne.

Wie gesagt, ich frage mich, ob die ganzen Vernetzungen und Möglichkeiten, fast in Realtime an Informationen zu kommen, wirklich so nützlich sind? Denn das Filtern und Lesen der ganzen Nachrichten verschlingt unglaublich viel Zeit, da sind recht schnell ein, zwei Stündchen zusammen, Zeit, in der man eigentlich produktiv arbeiten könnte.

Das Tückische daran ist, dass es ein schleichender Prozess ist, bei dem man selbst nicht sofort merkt, wie viel Zeit da eigentlich verloren geht: früher hat man nur die Mails gelesen, dann kam das Lesen der RSS-Feeds hinzu, jetzt kommt auch noch das Verfolgen des selbst zusammengestellten Twitter-Tickers hinzu. Außerdem dehnt man auch diese Zeiten immer weiter aus, dadurch, dass man mehr Feeds abonniert und immer mehr Leute in Twitter verfolgt.

Wie seht ihr das? Kennt ihr das Problem auch? Wie werdet ihr Herr über den ganzen Informationsüberfluss?