Halbmarathon in Karben

Heute wollte ich am ersten Lauf-Wettbewerb meines Lebens teilnehmen, an einem Halbmarathon mitten durch Karben. Eigentlich dachte ich, dass ich bereits im Training einmal einen 21,1km-Lauf hingelegt habe, doch dem war nicht wirklich so, ich hatte -habe ich gestern erst bemerkt- nämlich zu Beginn vergessen, eine Schleife zu laufen. In Wirklichkeit waren es damals also nur 18,35km in 2:07h und keine 21,1km. Schande über mein Haupt.

Soll also heißen, es sollte heute nicht nur mein allererster Wettkampf, sondern auch gleichzeitig meine allerlängste Strecke werden. So viel bin ich noch nie zuvor gejoggt.

Die letzten beiden Tage hatte ich mich irgendwie etwas schlapp gefühlt, doch heute, am Wettkampf-Tag war ich fit. Nachdem der Wecker um 6:00 Uhr das erste Mal geklingelt hatte und ich mich dann um 6:10 Uhr mehr oder weniger aus dem Bett quälte, ging es dann direkt ans Essen, wo ich bei einem gemütlichen Cornflakes-Frühstück vor der Kamera einer noch verschlafeneren Katharina ein Interview geben musste…

Danach noch schnell die Sachen zusammengepackt und ab ging’s nach Karben, wo Katharina und ich erst einmal eine Runde über die Laufstrecke gedreht haben, ehe wir zum Vereinsheim fuhren, wo ich mich anmelden musste und die Startnummer in Empfang genommen habe. Zu mir gesellten sich dann noch Frank und Achim, die ebenfalls ein wenig Frühsport betreiben wollten. Frank den 10.000 Meter Lauf und Achim -wie ich- den Halbmarathon.

Vom Vereinsheim bis zum Start waren es ein paar Minuten Fußweg, die wir drei zusammen in leichtem Trab absolvierten.

Punkt 9 fiel der Startschuss. Da ich mit Frank noch ein paar Worte gewechselt habe, hätte ich das fast verpasst. Jedenfalls fragte ich mich, warum es auf einmal knallte, doch da sich die Menge vor mir in Bewegung setzte, war schnell klar, es geht los… noch schnell den Pulsmesser mit Stopuhr angeworfen und dann lief ich los.

Obwohl ich mich schon recht weit hinten eingeordnet hatte, war es am Anfang sehr eng. Ok, könnte auch daran gelegen haben, dass etliche 10.000-Meter-Läufer nicht gecheckt hatten, dass ihr Start erst 5 Minuten später erfolgen sollte.

Halbmarathon laufen

Jedenfalls ging es gleich zu Beginn ein ordentliches Stück bergauf, die einzige Steigung auf der kompletten Strecke, danach durch durch Start- und Ziel auf die insgesamt vier 5,2km langen Runden. Ich ließ es gemächlich angehen, überholte nur ein paar Läufer und Läuferinnen und wurde selbst wiederum von einigen wenigen überholt. Die erste Runde war mein Puls auch noch recht niedrig, die Kilometerzeiten lagen dabei um die 6 Minuten.

Da es recht warm war und ich ordentlich schwitzte, nahm ich alle zweieinhalb Kilometer bei den Verpflegungsstationen ein Becherchen mit Wasser zu mir, ein Schluck getrunken, einen in meine Mütze gekippt, noch einen Schluck getrunken und fort mit dem Becher.

Auch in der zweiten Runde war mein Puls noch im grünen Bereich, jedoch schon ein bisschen erhöhter. In der dritten wurde ich dann gleich zu Beginn von dem Führenden und späteren Sieger überholt, in kurzem Abstand dahinter dann die Verfolger. Allerdings lag da mein Puls schon im eher gelben Bereich und ich bekam ihn nicht wirklich mehr runter; auch ein etwas langsameres Laufen half nichts. Gegen Ende der Runde war klar, dass die letzte ein purer Kampf werden würde.

Und so kam es dann auch: die erste Hälfte ging noch, obwohl der Puls schon im roten Bereich war, die letzte Verpflegungsstation hatte zudem keine Becher mehr, gab Flaschen aus, die 10 Meter später wieder abgegeben werden sollten, was ich -brav wie ich bin- auch gemacht habe. Dementsprechend fiel leider die Bewässerung meines Schädels flach. Das Schild 19km habe ich noch wahrgenommen, danach konzentrierte ich mich mehr auf mich und meinen inneren Schweinehund. Ehrlich gesagt, dachte ich da sogar einmal: „komm, den Rest spazierst du, blos nicht mehr rennen.“ Doch das war wirklich nur eine kurze Überlegung, die dann einer anderen wich: „sind doch blos nur noch ein paar Minuten und du bist erlöst.“ – also weiter ging’s… mit Puls am oberen Limit…

Bei Kilometer 20 ab ins Wohngebiet in Karben und um die vorletzte Kurve… „Ach scheiße, da war ja noch was… der blöde Anstieg…“ – Zwar hatte ich nicht mehr wirklich viel Luft, aber dem letzten Streckenposten konnte ich noch meinen Unmut kundtun und die Frage stellen, warum denn der Start nicht hinter dem Anstieg gelegt worden ist, dann hätte ich das blöde Ding nur vier statt fünf Mal hoch gemusst. Eine Antwort bekam ich zwar nicht, dafür von einem Läufer, der schon wieder auf dem Nachhauseweg war: „Das ist doch nur ein kleiner Hügel.“

„Scheiße, von wegen kleiner Hügel!“ Trotzdem, ich wusste, ja das hinter dem Hügel nur noch eine Kurve ist und danach noch 100 Meter bis ins Ziel. Also gings im Sprint den Berg hinauf und auch im Sprint ins Ziel. Puls bei über 200, dafür aber noch schnell 2 Plätze gutgemacht und … IM ZIEL! Hurra…

Im Ziel: Halbmarathon in Karben

Nach der Überquerung der Ziellinie hatte ich nur eines im Sinn: so schnell wie möglich an Wasser zu kommen. Aber irgendwie scheinen die richtigen Läufer alles Härtner zu sein, denn direkt nach dem Ziel gab’s erst einmal eine lange Biertheke… „Bier? Ich will Wasser!“ Hätte nie gedacht, dass ich sowas mal denken würde, aber es war so. Nach der Biertheke gab’s dann auch glücklicherweise das Wasser… und ich konnte mich wieder erholen.

Irgendwie hatte ich mir einen Halbmarathon doch etwas leichter vorgestellt. Fix und fertig – aber glücklich, konnte ich mich über eine sehr gute Zeit von 2:02:39,0 freuen; knapp an meinem Traumergebnis von unter 2 Stunden vorbei; mehr aber war trotz bester Bedingungen nicht drin.

Für die Statistiker und Zeitenfreaks:

  • Platz 150 von insgesamt 206 Läuferinnen und Läufern
  • Platz 132 bei den Männer (von 170)
  • Platz 13 in der Altersklasse von 20 bis 29 (von 15)
  • Gesamtzeit: 2:02:39,0
  • Durchschnittliche Kilometerzeit: ~5:49min
  • Durchschnittliche 10km-Zeit: 58:08min

7 Kommentare zu “Halbmarathon in Karben

  1. Erst einmal Glückwunsch zum erfolgreichen Halbmarathon!
    Ich selbst laufe seit 6 Wochen und möchte am 16.09. ebenfalls einen Halbmarathon finishen. Gewichtsmäßig habe ich seit Mitte April ganze 14 Kilogramm abgenommen. Aber es sollen noch weitere 6 Kilogramm runter. Meine Zielzeit ist unter 2 Stunden. Ich denke, das könnte ich eventuell schaffen. Allerdings habe ich auch Respekt vor der Strecke. Bisher ist mein weitester Lauf 16,5 Kilometer gewesen. Da fehlen also noch 4,6 Kilometer. Aber ich habe ja noch eine Woche Zeit, diese auch noch zu bewältigen.
    Mein ganz großes Ziel ist dann die volle Marathon-Distanz nächstes Jahr im Mai.
    Ich finde Deinen detailierten Bericht sehr interessant. So weiß ich schonmal, was für eine Quälerei auf mich zukommt.. 😉

    Gruß
    Christian
    Brennr.de

  2. Hi, wir haben – was den IronMan angeht – das selbe Ziel. Nachdem ich 2x zugeschaut habe, werde ich 2008 antreten.
    In Wiesbaden beim 70.3 bin ich mit der Devise „nur ankommen“ gut durch den Wettkampf gekommen – und nicht Letzter geworden.
    Du solltest auf jeden Fall 1 – 2 Marathonläufe mitnehmen. Mein Tipp: Frankfurt Ende Oktober! Die Strecke ist flach und Organisation etc. ist in der Regel gut. Ich habe selbst leidvoll erfahren, dass es vom Halbmarathon zum Marathon ein ganzes Stück mehr ist. Und keinesfalls solltest du dich mit Zeitvorgaben verrückt machen. Dann powert man nur zu schnell aus und es ist vorbei.
    Viel Erfolg – wir sehen uns im Ziel auf dem Römerberg in 2008!

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