IMG 08 – Rad fahren – 5:46h

Nachdem ich beim Schwimmen auf den ersten paar hundert Metern schon recht viel Kraft gelassen hatte und auch auf den restlichen 3km recht ordentlich unterwegs war, ging es mit ordentlich hohem Puls auf das Rad. Da die Pulsanzeige im Wasser nicht funktionierte, musste ich nach dem Schwimmausstieg meine Uhr wieder neu starten, aber das hatte ich ohnehin so geplant. Somit konnte ich dort meine Radzeit ablesen, allerdings musste ich im Kopf noch die Wechselzeit abziehen; einen Tachometer hatte ich nicht dabei.

Von Langen nach Frankfurt (12,9km) – 22:53min

Vom Langener Waldsee aus muss man erst einmal ca. 12km bis in die Innenstadt von Frankfurt fahren, ehe man am Mainkai auf die erste Radrunde einbiegt. Dieses Stück war -sieht man mal von den holprigen ersten ein bis zwei Kilometern direkt am Waldsee ab- einfach nur sensationell zu fahren. Absolut ebene Strecke, super Asphalt, so macht Rad fahrenSpaß… mir zumindest.

Natürlich war hier auf der Strecke die Hölle los, aber so wie ich den Eindruck hatte, lief alles fair ab und jeder versuchte, kein Windschatten zu fahren. Währe ohnehin nicht das sinnvollste gewesen, denn da waren einige Kampfrichter auf der Strecke, die das Treiben beobachteten. Als Zuschauer mag es einem vielleicht so vorgekommen sein, als seien das Pulks seien, aber dem war nicht wirklich so, es wurde einfach in zweiter und dritter Reihe noch überholt, ganz einfach weil es anders nicht gegangen wäre.

Viel los auf der Strecke

Hier habe ich einige Athleten überholt und immer mal wieder auf meine Pulsuhr geschaut. Der war eindeutig zu hoch und passte nicht wirklich zu meinem Gefühl. Ich empfand die Geschwindigkeit als angenehm und ignorierte den etwas hohen Puls dezent. Ich dachte mir, dass das nur die Nervosität sei.

Leider waren die ersten Kilometer schneller vorbei als gedacht, jetzt begann die erste Radrunde…

1.Runde (84,3km) – 2:37:53h

Nach dem Mainkai ging es erst einmal ein klein wenig durch die Stadt, ehe man auf die Vilbeler Landstraße kam. Ab hier kannte ich die Strecke in und auswendig, weil ich sie einfach sehr oft im Training gefahren bin. Den Anstieg „The Beast“ musste ich als erstes bezwingen. Man fährt darauf relativ gerade zu und sieht, dass es da ganz ordentlich hoch geht. Doch das Problem dabei ist, dass sich der Anstieg über mehrere Kurven zieht und man quasi jedesmal schon denkt, man hat es hinter sich und dann geht es hinter der Kurve noch weiter. Im Training bin ich am besten über den kleinen Hügel gekommen, wenn ich einen mittleren Gang drin hatte und aus dem Sattel gegangen bin. So habe ich es auch dieses Mal gemacht, während viele andere mit hoher Trittfrequenz und kleinem Gang sitzend dort hoch sind.

Aber ich habe sowieso während des Wettkampfs festgestellt, dass ich meist viel schwerere Gänge fahre als die anderen, dafür aber mit weniger Trittfrequenz. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, da habe ich keine Ahnung. Auf jeden Fall fühle ich mich dabei wohler.

Nach dem ersten Anstieg gab es gleich die erste Verpflegungsstation, an der ich dann meine selbstgemixten Maltodextrin-Salz-Wasser-Getränke gegen Sportsdrinks austauschte. Da ich keinerlei Erfahrung in Sachen Ernährung im Wettkampf hatte, habe ich vorher mal ausgerechnet, was ich ungefähr pro Stunde aufnehmen kann und was das in Riegel, Gel und Sportsdrink bedeutet. An diese Rechnungen wollte ich mich auch halten. Den ersten Riegel hatte ich auf dem Weg nach Frankfurt gegessen, nicht alles auf einmal, sondern ein wenig verteilt. Der zweite Riegel sollte dann auf dem Stück zwischen Bergen-Enkheim und Maintal-Hochstadt angebrochen werden. Der Abschnitt ist nämlich ein richtiges Erholungsstück, weil abschüssig. Hier kann man ordentlich Tempo machen, ohne dass man sich sehr anstrengen muss.

Lächeln

(Ein Lächeln für die Kamera, alles läuft super)

Nach dem Stück folgt dann ein richtiges Stimmungsnest, nämlich „The Hell“. Eine Kopfsteinpflaster-Passage, die einen so richtig durchschüttelt. Bei meinen Trainingsrunden bin ich dort immer langsam durch oder hab den Abschnitt umfahren, heute wollte ich dann in Wettkampftempo durch. Wieder aus dem Sattel und höherem Gang. Da hab ich allerdings einen zu hohen drin gehabt, war nicht ganz so optimal, aber was solls. Dann ging es aus Hochstadt raus Richtung Wachenbuchen. Hier war ich es gewohnt, rechts an der Verkehrsinsel vorbeizufahren. Bis ich aber geblickt habe, dass ich eigentlich links vorbei auf der Ideallinie fahren soll, war ich aber schon rechts vorbei. Naja, was solls. Zwischen Hochstadt und Wachenbuchen waren dann wieder Kampfrichter zu sehen, die dann auch einige länger beobachteten und auch den ein oder anderen angesprochen haben.

Jetzt sollte der nächste und längste Anstieg folgen, der Hühnerberg. Eigentlich mein persönlicher Feind, aber auch der sollte heute kein Problem sein. Bei der Anfahrt hatte ich zwar einen schwereren Gang drin als sonst, oben dann wo es nochmal richtig steil wird, dann den bewährten aus dem Training und schon ging es die Abfahrt runter… und das hat Spaß gemacht…

Hier machen sich meine 83 Kilogramm gegenüber der meisten Konkurrenz doch bemerkbar. Denn da runter war ich viel schneller als die anderen. So holte ich einige andere ein und musste aufpassen, dass ich dabei nicht in die Windschattenboxen der anderen reinfahre, denn neben mir fuhr ein Marschall. Aber war wohl alles korrekt, wie ich das gemacht habe.

Von da folgte mein ungeliebter Streckenabschnitt. Gerade auf dem Stück zwischen Rendel über Karben bis nach Burggräfenrode ist der Straßenbelag einfach schlecht. Das tut mir immer dermaßen im Hintern weh und außerdem geht es doch leicht bergauf. Nachdem ich auch das überstanden hatte und auch Ilbenstadt und Bruchenbrücken hinter mir ließ, kam ich das erste Mal nach Friedberg rein. Dort wollte mich Katharinas Onkel mit der TV-Kamera filmen, doch der war gerade noch am Aufbauen und hörte auch mein Rufen nicht.

Family in Friedberg

(Meine Family steht da und wartet auf mich, doch ich hab sie noch nicht einmal wahrgenommen. War etwas abgelenkt und hatte noch nicht damit gerechnet, dass sie schon zur ersten Runde da sind)

Dann erblickte ich zum ersten Mal eine Kilometeranzeige, die zeigte 60km und meine Uhr noch nicht einmal 2 Stunden. Das heißt ich war vom Schnitt her über 30km/h, sogar inklusive meiner Wechselzeit. Das war auf der einen Seite schön, auf der anderen Seite machte ich mir auch Gedanken darüber, ob ich nicht gerade dabei bin mich zu verzocken. Auch hatte ich zunehmend Probleme mit meinem Magen, der einfach keine Riegel mehr wollte. Ich glaube, wenn ich auch nur einen Bissen mehr gegessen hätte, dann wäre es wieder rausgekommen. Also wurde erst einmal nichts nachgefüllt, was meine Angst natürlich größer werden ließ. Zum Glück gingen aber Gels und so gab es ab da nur noch das leckere klebrige Zeugs…

Auf der Kaiserstraße sah ich dann erstmals bekannte Gesichter. Nicht, dass die vorher nicht auch schon dagewesen wären, nein, ich hab sie einfach nicht gesehen. Wie beispielsweise meine komplette Family, die ich trotz langsamenen Fahrens direkt vor der Burg einfach nicht wahrgenommen habe. Kurz vor dem Ortsausgang Friedberg kam dann die nächste Verpflegungsstation, an der Schulkollegin und Helferin Andra für mich mit Riegeln wartete, so wie wir das vorher ausgemacht hatten. Ich hab den Riegel auch brav genommen, ich geb’s aber zu: gegessen habe ich ihn nicht mehr, Riegel gingen einfach nicht.

Heartbreak Hill

Wenn man erst einmal aus Friedberg raus ist, dann finde ich die Strecke bis Bad Vilbel richtig herrlich, das macht richtig Spaß zu fahren und wird nur durch das kurze bergauf-Stück bei Karben und in Kloppenheim unterbrochen. Die Zeit verging also wie im Flug und ich war am größten Stimmungsnest angekommen, am Heartbreak Hill. Das war echt geil… hier habe ich den kleinsten Gang rein, bin ganz gemütlich hoch und habe die Anfeuerung vom Publikom genossen. Hier stand auch meine Freundin, der ich noch schnell ein Küsschen zugeworfen habe. Richtig herrlich war das, wie auch der Rückweg nach Frankfurt.

Auf der zweiten Radrunde hatte ich mir dann vorgenommen, etwas Tempo rauszunehmen. Meiner im Kopf herummschwirrenden sub13-Ambition war ich ohnehin weit voraus.

2.Runde (82,8km) – 2:45:14h

Das etwas geringere Tempo tat richtig gut. Der Puls ging deutlich nach unten, ich war auch viel entspannter und konnte das alles richtig genießen. Ich hab so ziemlich jeden abgeklatscht, der mir die Hand entgegengestreckt hat. Auch die Kiddies am Straßenrand fand ich klasse, die mir ihre aufblasbare HR3-Hand hinstreckten und sich riesig freuten, wenn man dagegen geklatscht hat. Außerdem hab ich den Leuten zugewunken, die meinen Namen riefen, einfach nur geil…

Abklatschen

Auch in Bad Nauheim, wo im Kreisel mein Namen ausgerufen wurde und richtig was los war, winkte ich den Leuten zu, auch hier konnte ich sogar das ein oder andere bekannte Gesicht erkennen. Dann ging es zurück nach Friedberg und hier wurde es etwas unangenehm, denn der immer mehr werdende Wind hatte da schon ein Ausmaß angenommen, wo es nicht mehr nur angenehm ist, sondern wo es stört; aber ich wusste ja, gleich sehe ich meine Family und meine ganzen Fans, die sich an der Burgmeile zur zweiten Runde aufgestellt hatten. Da ich ja da einen guten Eindruck machen wollte, bin ich entsprechend locker gefahren. Zur Kaiserstraße hoch, habe ich dann auch keinen mehr überholt, sondern bin dahinter geblieben und hab den Fans schon von weitem gewunken. Als ich näher kam, dachte ich… Wahnsinn… Soooooo viele Leute sind hierher gekommen?! Es waren sogar so viele, dass ich noch nicht einmal alle wahrnehmen konnte und alle waren sie euphorisch am Jubeln. Über 30 Leute standen da und feuerten mich lautstark an (hab mal anhand der Fotos durchgezählt) und ein großer Teil davon ist sogar dann direkt nach Frankfurt an die Marathon-Strecke gekommen.

Ironseo Fans

Mein eigentliches Lieblingsstück von Friedberg nach Bad Vilbel war in der zweiten Runde echt ätzend, der Wind blies wirklich sehr extrem. Einen solchen Wind hatte ich in der gesamten Trainingszeit nur ein, zwei Male… Hier hatte ich dann ein wenig Wut im Bauch, denn wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es Wind und so trat ich die Flucht nach vorne an, denn mittlerweile tat mir auch mein Hintern vom Sattel weh.

So ging es dann nochmal mit ordentlich Kraftaufwand nach Bad Vilbel, dann wieder im kleinen Gang die Stimmung am Heartbreak Hill aufsaugen und dann schnell Richtung zweite Wechselzone. Kurz vor Ende der Radstrecke musste man noch durch den Theatertunnel. Das war deshalb nicht ganz ohne, weil dort nur eine ganz schmale Spur frei war, die Überholen so gut, wie gar nicht zuließ und zudem, der Lichtunterschied so groß war, dass ich für einen kurzen Moment einen Blindflug machen musste. Da wäre ich fast einer Frau hinten drauf gefahren, die etwas langsamer gemacht hat. Aber ist nochmal gut gegangen…

Ein paar Kurven später war ich am Mainkai und stieg vom Rad. 5:46h habe ich insgesamt für das Rad fahren gebraucht, was einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 31,2km/h entsprach. Einen so schnellen Schnitt bin ich noch nie zuvor gefahren.

Nach dem Absteigen habe ich aber gemerkt, dass ich mir besser einmal ein paar Gedanken über den Ablauf in T2 hätte machen sollen. Denn erst wollte ich in meinen Radschuhen über den Teppich laufen, unter dem sich Pflastersteine befinden, doch das ging irgendwie so gar nicht. Hab mich deshalb erst einmal am Rand hingehockt und meine Schuhe ausgezogen und bin dann in das Wechselzelt gelaufen. Hier hab ich mir wieder ein bisschen Zeit gelassen. Radklamotten ausgezogen, meine Brust abgetrocknet, Pflaster drüber geklebt, Shirt an, Laufhose an, Laufschuhe etc.

Dann die Uhr gestoppt und neu angeworfen, so dass auch mein Fußsensor zur Geschwindigkeitsmessung funktionierte…

… und ab ging es zum „Cool-Down“, zum abschließenden Marathon.

4 Kommentare zu “IMG 08 – Rad fahren – 5:46h

  1. Wie ist das denn mit den Marschalls? Was ist denn erlaubt und was nicht? Dachte Windschattenfahren macht man so?

  2. Hi Daniel,

    herzlichen Glückwunsch du IRONMAN!!!!!
    Nimm‘ dir nicht übel, dass du den Riegel nicht gegessen hast :-)))
    Ist ja auch eklig dieses Zeug!!!
    Erhold dich gut, hoffe man sieht sich mal wieder!
    LG

  3. @Markus: Windschattenfahren ist im Triathlonsport nicht erlaubt. Du musstest eine Box von 10m x 2m zum Vordermann einhalten, auch beim Überholen durftest du da nicht rein.

    Praktisch ist das aber nicht immer umsetzbar, bei den Anstiegen hat sich das Feld immer ganz schön zusammen geschoben.

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