Neue Erfahrung…

Ich weiß nicht, wann es das letzte Mal im Winter in ganz Deutschland flächendeckend so viel Schnee über einen längeren Zeitraum gegeben hat; ich kann mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern. Wenn es denn hier bei mir einmal schneit, dann ist das meist über Nacht und am Tag taut der Schnee auch wieder sofort weg oder aber, es ist eine ganze Weile richtig kalt und dann fängt es an zu regnen, so dass die Straßen mit einer Eisschicht überzogen werden, aber richtigen Schnee über mehrere Tage gibt es selten…

… und während meiner Läuferkarriere gab es das noch nie!

Deshalb war es heute für mich eine Premiere: mein erster langer Lauf im Schnee. Insgesamt 2:30h Stunden standen auf dem Plan und da ich keine Lust hatte mit einem Trinkgürtel durch die Gegend zu laufen, habe ich mir die Strecken so eingeteilt, dass ich bei der Hälfte wieder bei mir zuhause vorbeikommen konnte, kurz rein was trinken und dann wieder weiterzumachen.

Tolle Winterlandschaft

Die erste Hälfte war einfach sensationell: gutes Wetter, immer wieder kam kurz die Sonne heraus und die Landschaft sah einfach toll aus. So hatte ich meine üblichen Laufwege noch nie gesehen! Einige Abschnitte waren noch völlig unberührt, keine Spuren von Autos oder Wanderern, nur Spuren von Tieren, von denen ich dann auch einige zu Gesicht bekam: ein Hase hoppelte herum und eine Hand voll Rehe standen auf meinem Weg, ergriffen dann aber sehr schnell die Flucht, als ich näher kam; schade, dass ich kein Foto dabei hatte, aber das war echt einer der schönsten Läufe, die ich bisher gemacht habe. Die ganzen Eindrücke waren einfach so einzigartig, dass ich gar nicht merkte, dass das Laufen durch den tiefen Schnee auf Dauer doch recht anstregend war und ich dann erst einmal froh war, nach 70min kurz was trinken zu können und eine Banane zu verschlingen.

Quälerei auf der zweiten Hälfte

So toll der erste Lauf war, so schlimm war dann die zweite Hälfte: das Wetter wurde schlechter, der Wind stärker und das auch noch auf einer Strecke, wo es sowieso immer zieht. Ich hab deshalb auch fast die komplette Zeit richtig gefroren; außerdem musste ich mich nur auf den Weg konzentrieren. Hier hatten einige Autos Spuren in den Schnee gefahren, die aber durch Schneeverwehungen wieder komplett zugedeckt waren. Es ließ sich schwer erkennen, wo der Untergrund fest ist und wo nicht, die Folge: ich bin trotz Konzentration immer wieder leicht weggeknickt, so macht Laufen nicht wirklich Spaß. Zwischendurch hielt ich dann auch an einer windgeschützteren Stelle mal kurz um euch ein kleines Bildchen mitzubringen; den Foto hatte ich wegen den Eindrücken der ersten Hälfte mitgenommen, aber ein wirkliches Motiv hatte ich auf der zweiten Hälfte dann nicht mehr. (Hätte ich ihn doch nur zuhause gelassen).

Mir wurde immer kälter und ich beschloss, die Strecke etwas abzukürzen und eine geplante Schleife wegzulassen. Auf dem Rückweg traute ich dann meinen Augen nicht mehr, da kam mir doch tatsächlich ein Skilangläufer auf meinem Laufweg entgegen, Skilanglauf in der Wetterau, ich konnte das kaum glauben. Ich hätte auch gerne noch ein Beweisfoto mitgebracht, aber dem Akku meiner Kamera war es wohl auch zu kalt, der wollte einfach nicht mehr.

Fazit

Nach insgesamt 2:17h war ich dann endlich wieder daheim und um ein paar Erfahrungen reicher:

  • in einer Winterlandschaft zu laufen, kann richtig schön sein,
  • im Schnee zu laufen ist extremst anstrengend
  • man muss sich stark auf den Weg konzentrieren,
  • unberührte Wege sind toll zu laufen (sofern der Schnee nur 20cm hoch liegt),
  • nur halb geräumte Wege hingegen überhaupt nicht,
  • und Wind ist -wie immer- sch….,
  • genauso wie vereiste Wege…

Was mir -gerade in den Momenten- wo es weniger Spaß gemacht hat, immer wieder durch den Kopf geschossen ist, war der Gedanke: wie man bei solchen Bedingungen freiwillig einen ganzen Tag lang durch die Gegend laufen kann?

Hintergrund: mein Arbeitskollege wird am nächsten Samstag bei der Brocken Challenge teilnehmen und dort von Göttingen aus auf den Brocken laufen. Knapp 81km und über 2.200 Höhenmeter; die Wege dort dürften wohl noch zugeschneiter sein, als die hier bei mir. Einfach nur VERRÜCKT!

Was ist mit euch? Welche Erfahrungen habt ihr in den letzten Tagen gemacht?

10 Gedanken zu „Neue Erfahrung…“

  1. Hey Daniel,

    erstmal danke fürs Adden auf Facebook 😉
    Deine Wetterverhältnisse kommen mir irgendwie bekannt vor. Bei uns liegt auch ordentlich schnee. Da ist das Laufen dann verdammt anstrengend, vorallem, wenn vor einem noch keine Fußgänger den Weg etwas „freigeschaufelt“ haben 😉
    Ansonsten macht mir das am meisten Spaß, in der Winterlandschaft zu laufen- am Besten noch, wenn es dunkel ist. Das ist etwas ganz anderes als tagsüber. Hat etwas von Ruhe, deshalb nur zum empfehlen!

  2. Anja und ich laufen ja jeden Tag und das auch bei diesen Witterungsbedingungen. Es ist viel schwerer und kraftaufwändiger als normales Laufen.

    Aber es entwickeln sich viele neue kleine Muskeln für die Balance.

    So wird der Lauf von Tag zu Tag einfacher.

    Ist wie immer im Leben.

  3. Ich mag Schnee! 🙂 Selten war ich so oft draußen unterwegs wie in diesem Jahr, ob auf Skiern oder in Joggingschuhen. Oder wie heute auch gleich mal beides.
    Anstrengend ist’s, aber es sieht einfach immer wieder toll aus. Selbst bei Nebel ist es eine ganz eigentümliche Athmosphäre.
    Der Nachteil bei soviel Schnee wie aktuell: Bis es im Wald irgendwann mal wieder weggetaut ist, braucht es wohl drei Wochen, in denen ein dicker Eispanzer auf den Waldwegen liegt – absolut nicht zu betreten. Und für Triathleten, die zwischendruch auch mal Rad fahren wollen, ist das alles natürlich auch nicht gerade optimal.
    Für die Brocken-Challenge kam ich übrigens leider etwas spät – ist wohl immer sehr schnell ausverkauft…

  4. @Lajos: du wärst auch diese 81km mitgelaufen? Sowas geht mir nicht in meinen Kopf… WARUM?

    Es ist kalt, es ist windig, es ist glatt, es ist uneben und es geht ununterbrochen den Berg hoch… das sind doch alles No-Go’s.

  5. sagen wir mal so: Die Seite ist toll gemacht und macht Lust. Den Harz mag ich ohnehin. Seit meiner ersten (und einzigen) Ultra-Erfahrung im letzten Jahr hab ich auch ein wenig Blut geleckt. Aber vermutlich ist insbesondere die Brocken-Challenge eines der härtesten Rennen, nicht nur wegen der Höhenmeter, sondern vor allem auch, weil man die Bedingungen im Vorfeld nicht einschätzen kann. Sprich: Vermutlich wäre es in der Tag ziemlich verrückt gewesen, dort mitzumachen. Aber irgendwann?

  6. Lustig, hatte heute eine ähnliche Erfahrungen. Laufen im Schnee ist hart und toll zugleich, werde ich aber nur noch auf Strecken machen, die bereits begangen worden sind 🙂

  7. @Lajos: die Brocken Challenge wäre für mich überhaupt nicht denkbar, ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich bei sowas Spaß haben könnte und wenn die Quälerei schon bei Kilometer 5 anfängt, dann ist es ein unendlich langer Weg ins Ziel.

    Da passt halt gar nix zu mir: ich brauche gerade Laufstrecken und ich brauche Asphalt!

    Da würde ich mir eher einen Double Ironman zutrauen, also die >80km auf einem flachen Rundkurs nach Schwimmen und Rad fahren zu absolvieren, als diese Strecke einen Berg hoch zu rennen, der zudem noch total zugeschneit ist. NEVER EVER!

  8. Hallo Daniel,

    ich verfolge schon einige Zeit Deinen Blog. Geht es mir doch ähnlich wie Dir. Nur das ich keinen Ironman finishen will sondern eine Olympische Distanz.
    Da ich nach einigen Jedermännern mein Trainingspensum steigern will und muss, kommt mir dieses Wetter momentan auch nicht sehr gelegen. Mit Laufen ist bei mir momentan nicht viel los.
    Bin am Samstag mal meine 10 km Runde gelaufen und ich muss sagen, das war ziemlich gefährlich. Da wo der Schnee hoch lag, war es anstrengend zu laufen, aber da wo geräumt war, war es Lebensgefährlich. Unter der dünnen Schneeschicht war in den Spurrinnen der Autos das blanke Eis. Die Schneeschicht wurde durch den Schuh oft weggedrückt und ich wankte mehr als das ich ordentlich lief. Nee also so fahr ich lieber daheim auf der Rolle. Gott sei Dank habe ich mich nicht verletzt.

    Viel Spaß noch und ich drück die Daumen für Frankfurt.

  9. Hallo Daniel,
    obwohl ich nicht vorhabe an einem Triathlon teilzunehmen, lese ich in Deinem Blog da mich die Erfahrungen von Triathleten einfach interessieren. Jetzt wollte ich mich auch einmal zu Wort melden.

    Das Laufen im Schnee, in der Winterlandschaft ist zwar schön, aber auch anstrengend. Ich gehöre eher zu denen, die wenig laufen und so macht es nichts wenn mal ein Lauf ausfällt. Bei den Bedingungen wie sie jetzt hier herrschen, mit viel Schnee und Glätte laufe ich nur sehr unregelmäßig. Aber wenn ich dann gelaufen bin, hat es sich gelohnt.

    Apropos Skilanglauf, mir sind hier schon mehrmals Leute auf Langlaufskiern entgegen gekommen. Skilanglauf in Hamburg ist auch nicht gerade eine Selbstverständlichkeit.

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